Kuhreiher – das Frühwarnsystem für Mensch und Tier

Eben noch die Giraffen bei den hohen Bäumen und im gleichen Moment Elefanten. Nicht einer, nicht zwei, sondern viele. Eben hatten wir noch unsere Fotos von den Giraffen-Bullen gemacht, da war für Elly schon klar, da vorne gibt es weitere Tiere. Elly sah schon in der Ferne viele Kuhreiher oben in den hohen Sträuchern.

So wie die Tiere unter einander mit den Kuhreihern eine Symbiose eingehen, so nutzen die vielen Ranger und Guides die Kuhreiher auch als Frühwarnsystem.

Kuhreiher sind immer dort wo auch andere große Tiere sind und dann heißt es vorsichtig sein. Und so war es dann auch, direkt bei den Kuhreihern stand eine große Elefanten-Herde. Hinter den Sträuchern kaum erkennbar, aber sie waren da, die vielen Elefanten. Rund um zwei Elefanten saßen bestimmt zwanzig Kuhreiher in den Sträuchern. Interessant, die vielen weißen Tupfen, das viele Grün und dann doch noch graue Rücken. Die Elefanten-Rücken, welche wie graue Felsen so unscheinbar wirkten. Zwei große Elefanten waren ganz genüsslich an den Sträuchern. Abwechselnd fraßen sie Gras und Blätter.

„Schau mal, zoom mal!“ meinte Elly. Und ja, da war ein Elefanten-Baby im hohen Gras erkennbar. Dazu die ersten, großen Elefanten-Kühe. „Wartet ab, die Herde ist bestimmt groß, da sind noch viel mehr Elefanten!“ meinte Elly. Und dann tauchten viele Elefanten auf. Sie kamen fressend hinter den Bäumen und Sträuchern hervor. Es war eine Herde mit vielen jungen Tieren. Die Stoßzähne waren noch sehr kurz. Und zwischen all diesen Elefanten saßen und flogen die Kuhreiher. Und auch die Giraffen schlenderten fressend vorbei.

Die Schläfendrüsen der Elefanten

„Schaut mal, die Elefanten sind hier sehr entspannt und so können sich auch die Giraffen hier in der Nähe aufhalten“ meinte Elly. OK, die sehen ruhig aus, aber woran erkennt man es genau. „Elefanten können viel über Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen. Sie zeigen dir anhand der Ohren, der Drohgebärde und dem Trompeten – bis hier hin und nicht weiter“. Aber ob sie überhaupt gestresst sind kann man sehr schnell schon vorher anhand der Drüsen, also dem Drüsensekret erkennen.

Es sind die Schläfendrüsen welche seitliche hinter den Augen vor den Ohren sitzen. Elefanten-Bullen läuft dieses Sekret wenn sie in der Musth sind. Und bei den weiblichen und jungen Tieren, wenn sie gestresst, aufgeregt oder trächtig sind.

Und ja, wir hatten uns die Elefanten dann am Kopf genau durch die Kameras angeschaut. Sekret war nicht viel erkennbar, also waren alle Elefanten wohl eher entspannt. Und bei all dem Beobachten fraßen alle Elefanten weiter genüsslich das frische grüne Gras. Und so ganz entspannt wechselten die Elefanten nun vor unserem Land-Cruiser die Seite. Für einen Moment waren sie nun ganz dicht am Land-Cruiser. Wir hielten den Atem an und machten unsere Fotos. Unsere Kameras haben wir auf stumm geschaltet, so klickt es nicht und wir können ganz leise die Fotos machen. „Elefanten haben kein besonders gutes Gehör, aber sie können extrem gut riechen“ erklärte uns Elly.

Ein paar halbstarke Elefanten begrüßen uns

Dann, auf einmal, blieben zwei junge Elefanten vor unserem Land-Cruiser stehen. Sie plusterten sich auf und zeigten über ihre Ohren Größe. Sie drohten und kamen ein paar Fußtritte auf uns zu. Es sah sehr possierlich aus.

„Aber Vorsicht, auch diese jungen Elefanten sind gefährlich. Wir warten ab. Ich kenne mich aus“ so meinte Elly.

Also schauten wir weiter auf die beiden. Die beiden jungen Elefanten waren weiter in ihrem Element. Sie drohten, sie kamen näher und gingen wieder zurück. Der größere versteckte sich hinter dem jüngeren. Es war sehr interessant anzusehen. Dann trollte sich noch ein anderer Elefant dazu. Und dieser Elefant war sichtlich im Stress, lief doch einiges an Sekret aus der Schläfendrüse. Es war eine Elefantendame und ja, sie war die Elefanten-Mutter von einem der jungen Elefanten.

So schossen wir unsere Fotos von den Halbstarken und von allen anderen Elefanten links und rechts von uns. Die anderen Elefanten seitlich von uns waren viel entspannter, waren einfach ganz genüsslich weiter am Gras fressen. Und die jungen Starken plusterten sich weiter auf. Die Elefanten-Mutter stand nun sehr gestresst neben den Halbstarken. Holte sich den kleineren neben sich und ließ nun diesen jungen Elefanten kurz ein wenig trinken. Dabei hob sie das rechte Vorderbein ein wenig an.

Eine halbe Stunde später ist das Spektakel vorbei. Die ganze große Elefanten-Herde wanderte weiter und nun auch die Halbstarken. Sie verschwanden durch die Sträucher und Bäume und bald konnten wir nur noch graue Rücken erkennen.

Hoch zur Tarangire Safari Lodge

Kurz vor der Mittagszeit, auf dem Weg hoch zur Tarangire Safari Lodge, gab es dann noch so viele Tiere zu sehen. Der Weg war gesäumt von Affenbrotbäumen, von Bäumen mit Termitenbauten und vielen, vielen Tieren. Impalas, Warzenschweine,Nashornvögel und nochmals Giraffen.

Am Anfang des Weges hatten wir ein paar männliche Impalas beobachten können. Diese stattlichen männlichen Impalas haben ein imposantes Geweih und ich dachte, das ist das Besondere. Aber weit gefehlt – da ist noch sehr viel mehr. Alle Impalas haben eine besondere Zeichnung am Hinterteil. „Dieses Hinterteil erfüllt so viele Zwecke“ meinte Elly. Die Färbung lässt, so wie ein Fähnchen, alle Tiere beisammenhalten. Der Schwanz dient als Frühwarnsystem.

„Bei der Flucht wird der Schwanz nach oben gestellt und sie springen davon. Wenn sie dann irgendwo innehalten, dann wird der Schwanz wieder nach unten geklappt“, so Elly. Ich dachte mir, Auto an und Auto aus oder was soll mir das sagen? „Löwen können nur schwarz und weiß erkennen und sie verfolgen die Impala wegen dem weißen Hinterteil. Wenn dann der Schwanz wieder runtergeklappt wird, dann haben die Löwen erst einmal Probleme mit dem Anvisieren“, so Elly weiter. Faszinierend, wie das so funktioniert.

„Schaut mal, dort auf dem Strauch!“, schoss es bei Elly heraus. Wenn wir nicht sowieso angehalten hätten wegen der Impalas, dann hätten wir diesen bemerkenswerten Vogel wohl übersehen.

Tarangire kann auch Von-der-Decken-Toko

Aber so konnten wir ihn auch noch kurz vor dem Mittagessen mitnehmen, jedenfalls auf dem Foto. Aber warum ist dieser Vogel nun etwas Besonderes? „Es ist der Von-der-Decken-Toko“, lachte Elly. Bei mir ging dann das Kopfkino an. Ich schaue den Vogel an und überlege „Decke“, was hat das mit von einer Decke zu tun? Ich komme einfach nicht drauf. Aber Elly hatte es uns angesehen und ließ uns nicht zu lange zappeln. „Dieser Vogel ist benannt nach dem Entdecker Baron Karl Klaus von der Decken“, so löste Elly auf.

Irgendwo auf dem Weg hoch zur Tarangire Safari Lodge gibt es wohl noch ein kleines Wasserloch. Denn unsere letzten Begleiter hoch zur Lodge waren viele Warzenschweine. Und diese Warzenschweine waren mit Dreck besudelt und waren total matschig. Auch wenn Warzenschweine bestimmt von vielen Touristen nicht so gewürdigt werden sind sie hier mehr als wichtig. Dienen die Warzenschweine doch für viele Tiere, ob für Paviane, ob für Impalas, als Frühwarnsystem. Eben „Radio Afrika“!

Zu Mittag in der Tarangire Safari Lodge

Wenn ihr mal nach Tansania und dann in den Tarangire kommt dann fahrt zum Mittagessen hoch zur Tarangire Safari Lodge. Der Ausblick von hier oben runter in die Savanne ist einfach atemberaubend und das Buffet war sehr gute afrikanische Küche.

Unten in der Savanne fließt der Tarangire Fluss und der Fluss führte gerade nicht so viel Wasser. So trottete ein großer Giraffen-Bulle ganz langsam durch den Fluss. Von hier oben sah der Giraffen-Bulle so klein, aber trotzdem sehr imposant aus. Wir saßen nun hier oben auf der kleinen Steinmauer, tranken einen Kaffee, genossen den Blick runter in die Savanne und die vielen tierischen Besucher hier in der Lodge.

An vielen Stellen rund um die Steinmauer hat das Team der Lodge Futter- und Wasserstellen hergerichtet und die vielen Vögel und auch Schmetterlinge haben dieses Angebot sehr genossen.

Wir saßen nun zu dritt, Elly mit uns beiden, auf der Mauer, tranken einen Kaffee und die vielen Vögel wechselten sich an der Wasserschale ab. Ohne Elly hätten wir nur Fotos gemacht, aber so haben wir wieder umfangreiches Wissen vermittelt bekommen.

Zu Besuch waren Weißkopf-Büffelweber, Maskenpapageien und auch ein afrikanischer Monarch.

„Diese Weißkopf-Büffelweber trifft man auch sehr oft bei Kaffernbüffeln an. Sie suchen ihre Nahrung hier in der Savanne und auch auf Akazienbäumen“, so unterrichtete Elly.

Ja, Elly unterrichtete uns sehr gerne.

Und ja, wenn ihr in die Tarangire kommt dann nutzt auf jeden Fall einen Aufenthalt hier hoch zum Mittagessen, wegen der afrikanischen Küche und vor allem wegen des atemberaubenden Ausblicks mit all den tierischen Besuchern beim Kaffee.

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