Ägypten – etwas Besonderes im Jahre 1927
Die Familie meines Großonkels war schon sehr früh interessiert an der großen weiten Welt. Sie sammelten Ansichtskarten und ließen sich von Freunden, Verwandten und Kunden gerne Ansichtskarten zu schicken. Sie sammelten alle diese Karten in Alben.
Das Fernweh hat sie dann einmal selbst gepackt, kurz nachdem sie geheiratet hatten und bevor sie den elterlichen Betrieb übernahmen. So hat es mir jedenfalls mein Onkel erst vor ein paar Jahren einmal erzählt und mir auch ihre Tagebuch-Aufzeichnungen gezeigt.
Sie nutzten das Brautgeld, um einmal im Leben eine große Reise anzutreten. Dem elterlichen Betrieb ging es gut und so wurde das Geld erst einmal nicht gebraucht. Mein Onkel meinte, sie hätten es nie bereut, diese Reise gemacht zu haben.
Ihre Reise führte sie 1927 nach Ägypten.
Knapp 100 Jahre später war es bei uns soweit. 2025 hatten wir mit der Planung unserer Ägypten-Reise begonnen. Jetzt, im Januar 2026 war es soweit: Ägypten wir kommen!
Seid gespannt, was ich alles über diese beiden Reisen 1927 und 2026 zu berichten habe.
Auf nach Kairo
1927 in ca. zwei Wochen bis nach Alexandrien und wir 2026 in nur gut 4 Stunden nach Kairo.
Wir waren ganz bequem von zu Hause nach dem Mittagessen gestartet und gegen 22:00 konnten wir dann im Hotel einchecken. Wir waren nun schon da und in Gedanken ganz bei unseren Verwandten.
Nach einem Tag ihrer Reise werden sie wohl irgendwo zwischen Hamburg und München im Reisezug unterwegs gewesen sein. Mein Onkel zeigte mir jedenfalls dazu die alten Tagebuch-Aufzeichnungen.
Für die Reise hatten sie sich damals einen großen Kleiderkoffer in einem Bekleidungsgeschäft ausgeliehen. Sie hängten einen Anzug, ein Kleid und zwei Jacken hinein. Was sie sonst noch eingepackt hatten – das wird sich nicht so sehr zu unserem Kofferpacken unterschieden haben. Dann ging es im Januar 2027 los.
1927 – unterwegs von Hamburg nach Rom
Von Hamburg ging es nun mit einem Fernschnellzug der Deutschen Reichsbahn erst einmal nach München. Sie hatten dafür auch eine Kabine zum Schlafen gebucht. Das Geld war da und kam so nun auch unter die Leute. Im Speisesaal in den Zügen lernten sie ein Paar aus Hannover kennen. Es war ein Paar mit einer gut gehenden Möbelfabrik in Hamelspringe bei Hannover. Jahre später hatten unsere Verwandten dort einige Stühle gekauft. Stühle im Stil der „Alten Nikolaischule“. Lieferung über F.B. & S. von Hamelspringe nach Rendsburg. Man gönnt sich ja sonst nichts. Es waren damals 10 Stühle, welche immer bei Familienfeiern zum Einsatz kamen. Drei der Stühle haben die Zeit überlebt und stehen bei mir im Obergeschoss. Bei einem der Stühle gibt es auf der Unterseite sogar noch den Transport-Aufkleber.
Gemeinsam mit diesem Paar aus Hannover genossen sie nun die Reise in den Zügen bis nach Rom. Gerade zu den Mahlzeiten hatten sie sich jeden Tag im Restaurant getroffen.
Von München ging es dann weiter, ebenfalls mit einem Schnellzug, über Innsbruck, dem Brennerpass und über Verona nach Rom. Bei den vielen Erzählungen meines Onkels und den Tagebuch Aufzeichnungen fühle ich mich in diese Zeit zurückversetzt.
Nach nicht ganz einer Woche waren sie in Rom im Hafen angekommen. Jetzt ging es um die Einschiffung. Am Hafen herrschte damals reges Treiben, es war laut und viele Süditaliener versuchten ihre Waren an die Reisenden los zu werden. Nur bei den Ansichtskarten waren sie schwach geworden und hatten hier zwei Karten erstanden.
Das Gepäck wurde von einem Kofferträger, einem „il facchino“, an Bord gebracht. Selbst an Bord, blieben sie bis zum Auslaufen erst einmal an der Reling stehen und mit italienischer Musik lief der Dampfer am späten Nachmittag aus dem Hafen aus.
1927 – unterwegs mit dem Dampfer von Rom nach Alexandrien
Jetzt machten sie sich also auf die Reise von Rom durch die Meeresenge bei Messina vorbei an der Insel Kreta über das Mittelmeer rüber nach Alexandrien in Ägypten.
Auf dem Dampfer hatten sie nun eine sehr kleine Kabine. Die Mahlzeiten wurden auf dem Oberdeck eingenommen und den Tag verbrachten sie auf dem Sonnendeck. Sie hatten damals keinen Fotoapparat, konnten keine Fotos oder Videos machen. Alle Eindrücke wurden damals nur niedergeschrieben, wurden später mündlich erzählt und blieben im Kopf.
1927 – unterwegs von Alexandrien nach Kairo
Bei der Ankunft in Alexandrien waren alle Reisenden sehr aufgeregt. Unsere Verwandten hatten damals ins Tagebuch geschrieben „Wir hatten auf einmal Angst, war es wirklich gut, hierher zu reisen? Die vielen Menschen, die Menschen einer ganz anderen Kultur, machten uns Angst.“ Aber viel Zeit blieb ihnen nicht, weiter darüber nachzudenken. An Deck mussten sie sich bei der Gesundheitskommission vorstellen. Es war alles in Ordnung. Danach ging es über die Schiffstreppe runter vom Schiff. Dann durch eine Schleuse zur Zollkontrolle, wobei auch der Pass vorgelegt werden musste. Und schließlich hieß es „Willkommen auf afrikanischem Boden“.
Am Kai standen viele Polizisten, passten auf, achteten auf das gesamte, rege Treiben. Irgendwie sind sie dann vom Hafen zum Bahnhof gekommen und mit dem Zug weiter nach Kairo. Leider hatten sie darüber nichts aufgeschrieben. Aber einfach wird es bestimmt nicht gewesen sein. Die fremden Menschen, die fremde Sprache, spricht jemand ein wenig deutsch? Welcher Ägypter wird sich ihrer angenommen haben, welcher wird „Almany?“ gefragt haben? Sie werden aber bestimmt mit Eseln zum Bahnhof gebracht worden sein und so wie es in Ägypten üblich ist, werden sie für jede Gefälligkeit und für jede Dienstleistung „Bakschisch“ gezahlt haben.
Jedenfalls sind sie nach diesen zwei erlebnisreichen Wochen glücklich in Kairo angekommen.
