Schon gleich am ersten Tag haben wir die ersten Giraffen im Arusha Park sichten und fotografieren können. Wir waren einfach nur fasziniert von diesen großen Tieren, die sich langsam schreitend und fressend imposant bewegten.
Auf meiner Bucket-Fotografier-Liste hatte ich „ein Foto mit Giraffen oder Elefanten und dem Kilimandscharo im Hintergrund“. Abgehakt!
Die Sonne stand uns wunderschön im Rücken und vor uns die Giraffen und was soll ich Euch sagen, auch der Kilimandscharo war in der Ferne sichtbar. Wir haben wunderschöne Fotos machen können. Der Kilimandscharo in seinen Weiß- und Blautönen, die Grasebene in ihren unterschiedlichen Grüntönen und mitten im Bild das gigantische Model. Die Giraffe in ihren Braun-, Orange- und Schwarztönen. All ihre Maserungen und Flecken in solcher Schärfe, dass das Foto eher schon unwirklich erscheint.
Fast an jedem unserer Tage hier in Tansania konnten wir immer wieder Giraffen erspähen. Ob direkt vor uns an der Straße oder in der Ferne. Noch am ersten Tag im Arusha National Park haben wir eine Giraffe gesehen, die sitzend genüsslich am Wiederkäuen war. Was für eine Ruhe sie ausstrahlte.
Elly hat uns, wie zu jedem anderen einzigartigen Tier hier in Tansania, auch zu den Giraffen viel erzählt. Man hat ihm angemerkt, er lebt für Tansania. Mit seinen gerade mal 33 Jahren kann er bereits über 20 Jahre Erfahrung mit Safaris aufweisen. Er kennt so einfach jede Region mit ihren Wegen, ihren Tiergruppen und ist so der beste Guide „ever“.
Nun aber weiter zu den Giraffen. Hier in Tansania gibt es nur eine Art von Giraffen, die Massai-Giraffen. Weibchen, Männchen oder Jung-Giraffen unterscheiden sich in ihrer Maserung. Aber dazu muss man etwas näher an die Tiere herankommen. Elly kann aber schon von weitem erkennen, ob es sich um einen Bullen oder um eine Kuh handelt. Während er sagte „schaut, das ist ein Bulle“, zeigte er auf den Kopf der Giraffe. „Ein Bulle hat keine Haare mehr auf den beiden Hörnern, nur die Weibchen haben noch ihren wunderbaren Büschel auf den Hörnern“. Er nannte es mal so kurz Hörner, aber es scheint dann doch eher ein Geweih zu sein. Aber dazu später mehr.
Ich bin immer wieder fasziniert über seine Erfahrung, welche er sehr begeisternd mit uns teilt und uns an seinem langjährigen Beobachtungen teilhaben lässt.
Gerade die Bullen stoßen sich ihre Haare in den Kämpfen unter Männern ab. Wir konnten solch einen Kampf zwischen einem jungen und einem älteren Bullen miterleben. Sie standen ganz ruhig und eng neben einander. Immer wieder haben sie abwechselnd ihren langen Hals, ihren Kopf und dann ihre Hörner an die Seite ihres Kontrahenten geschlagen. Es sieht so aus, als wenn sie sich umarmen. Aber dahinter steckt bitterer Ernst und so ein Kampf kann zu schweren Verletzungen, bis hin zu Knochenbrüchen, führen.
Ein paar Tage später führte Elly noch mehr zu den Giraffen-Köpfen aus. „Diese Giraffen hier haben auch ein Horn oben auf der Stirn aber es wird nur irrtümlich Horn genannt, denn es ist Knochenmaterial und so kann man es eher als Höcker bezeichnen“. Vielleicht hat er auch erwähnt, warum es sich ausbildet, aber da gibt es wohl auch die unterschiedlichsten Theorien. Jedenfalls scheint das Jungtier mit einem eher weichen Schädel auf die Welt zu kommen und dann im Laufe der Monate fängt der Schädel an zu verknöchern. Bei all seinen Erzählungen war es ihm wichtig zu erwähnen, dass die Hörner schon mit dem Geweih von Antilopen vergleichbar seien. Denn bei Giraffen handelt es sich eher um ein Geweih als um Hörner. Mit der Besonderheit, dass dieses Geweih dauerhaft mit Fell überzogen ist.
Die Giraffen waren, wie ich es bereits bei den Elefanten erwähnt habe, beim Fressen permanent in Bewegung. Zuerst war es uns gar nicht so richtig aufgefallen. Jedenfalls hatten wir dem Wandern von Baum zu Baum nicht so viel Bedeutung beigemessen. Erst als Elly wieder etwas dazu erzählte kam der Aha-Effekt. Die Giraffen, wie auch die Elefanten, fressen nur einen Moment an einem Akazienbaum und gehen dann nach einigen Bissen bereits zum nächsten Baum. „Das liegt an der Akazie“, meinte Elly. Die Akazie fängt innerhalb von Minuten an, einen ungenießbaren Pflanzensaft zu produzieren, welcher dann für eine Weile anhält. So wandern die Giraffen zum nächsten Baum und fressen dort weiter.
Giraffen haben eine besondere Fresstechnik an den Akazien entwickelt. Sie schaffen es mit ihren Lippen, mit ihrer langen Zunge ganz gekonnt die jungen Triebe abzureißen. Das geschieht, ohne dabei Probleme mit den vielen Stacheln der Akazien zu bekommen. Das liegt aber natürlich auch an den dickhäutigen Strukturen von Lippen und Zunge, so dass die Dornen und Stacheln ihnen nichts anhaben können. Je länger wir ihnen beim Fressen zusahen desto spannender wurde es. Die Zunge ist zu vielem nütze.
Auch zum Nase-Popeln!
Elly gab uns immer wieder viel Zeit, die Giraffen zu fotografieren. Viele Fotos mit posierenden Giraffen sind dabei entstanden. Fotos, während sie am Fressen waren an den vielen Akazienbäumen. Fotos mit ihren einzigartigen Zungen.
Die Nutzung der Zunge – zur Hygiene und Stärkung des Immunsystem gleichermaßen.
Bei allen Tieren hier in Tansania erkennt Elly immer sofort die Familienverbände und erzählt auch davon. Wie bei den Elefanten gehen Giraffen-Bullen auch eine Männer-WG ein. Sie sondern sich ab, sobald sie geschlechtsreif werden oder sie werden „gebeten“, den Familienverband zu verlassen. So treffen wir immer wieder auf kleine Familien und auf Gruppen von halbstarken Giraffen-Bullen.
Bereits am ersten Tag im Arusha National Park wurden wir auf die Probe gestellt. Neben den Fußspuren gibt es so viel mehr, um zu erkennen, welche bestimmte Tierart hier war.
Während unseres Pirschgangs mit einem Ranger kamen wir an einem kleinen Haufen einer Hinterlassenschaft vorbei. Es war ein Haufen, die denen von Hasen und Kaninchen in Deutschland ähnelten. Es waren also Köttel. Unser Ranger fragte und wir fingen an zu raten. Aber auf Giraffe, ganz ehrlich, da waren wir nicht drauf gekommen. Es sah nach Hasen- und Kaninchenkötteln aus, aber es war von einer Giraffe, wow!
Wie alle anderen Tieren haben wir auch die Giraffen aus einer guten Entfernung heraus bewundert. Der Respekt vor der Natur und vor den Tieren steht immer an oberster Stelle. Gutes Foto ja – aber aus einer respektvollen Entfernung.
So nutzen wir unsere liebgewonnen Kameras, um einen genauen Blick auf die Tiere zu erhaschen. Auch Elly erwähnte es immer wieder: „Ihr habt so gute Kameras. Es liegt nun an euch, gute Fotos zu machen“.
Aber auch ohne diese Kameras kann man gute Fotos schießen. Elly bediente sich immer wieder mit seinem Fernglas dabei eines Tricks. Er stellte sich sein Fernglas auf ein weiter entferntes Tier ein. Dann hielt er sein Handy an das Fernglas und machte so wunderbare Fotos und Videos. So simpel und so genial!
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