Elefanten weiden in der Baumsavanne im Tarangire
Elefanten weiden in der Baumsavanne im Tarangire
Ganz in der Nähe vom Tarangire Fluss erstreckt sich eine riesige Baumsavanne mit einer Hügellandschaft. In dieser kurzen Trockenzeit, für uns die beste Zeit in Tansania, ist hier alles grün, weiterhin so grün. Nahrung, gerade für die vielen Elefantenherden im Überfluss. Wir waren einfach nur geflasht. Elefanten, so viele Elefanten. Herden von Elefanten, viele Herden. Auch direkt bei unserem Land-Cruiser – all around. Das Verdeck vom Land-Cruiser war von Elly hochgestellt. So standen wir im Land-Cruiser und genossen den Rund-um-Blick. Es immer hin und her. „Schau mal, da ist bei einer Elefanten-Dame auch ein Elefantenbaby!“ meinte ich. Da kam von Bernd „Ich habe gerade einen jungen Elefanten gefilmt, fressend und mit dem tollen Ohrenspiel!“. Von links nach rechts, nach vorne und nach hinten. So viele Elefanten!
Nach Elefanten, Giraffen… zum Nachmittag noch Löwen?
Und Elly saß ganz ruhig vorne am Lenkrad. Hat Elly Pause? Weit gefehlt. Elly war am Handy, war am Walki-Talki, hatte das Fernglas in der Hand und war am Schauen. War am Schauen auf dem Handy, durch das Fernglas und hatte das Walki-Talki Sprechgerät um den Hals. Von alldem hatten wir nicht viel mitbekommen, waren wir doch bei all den Elefanten in der Savanne.
Aber nun erst einmal weiter zu den Elefanten.
Ich hielt kurz inne, mein Blick blieb bei der Elefanten-Herde ganz in unserer Nähe und ich musterte dabei einen jungen Elefanten. Als ich noch so für mich dachte „Wie sieht der denn aus? Sieht aus wie Flechten.“ „Das ist doch Schlamm!“ drehte sich Elly zu mir um und fing an zu erzählen. „Elefanten sind richtige Gewohnheitstiere. Sie waren bestimmt heute Morgen wieder erst am Wasserloch zum Trinken und Schlammbaden“. Beim Baden sich abkühlen und dann den Schlamm drauf lassen. Der Schlamm, die Placken, ja das brauchen sie am Tage zum Schutz vor der Sonne.
Jetzt wird mir so einiges klar. Hier trifft man immer am Tage Elefanten an. Eben der Gewohnheit halber.
„Ich habe über die vielen Jahre die Elefanten hier im Tarangire studiert. Ich kenne ihre Gewohnheiten, kenne ihren Tagesablauf und so weiß ich, wann ich die Elefanten hier in der Savanne antreffen kann!“ erzählte Elly weiter, sehr ehrlich und persönlich. Einfach Elly!
Auch wenn die Elefanten hier bei uns in der Nähe ganz ruhig am Fressen waren – schien es nur so. Sie waren alle ein wenig im Stress, zu erkennen am Sekret, welches aus ihren seitlichen Drüsen am Kopf kam.
Wie schlafen denn Elefanten?
Ja, die Frage war mir wichtig. Ich komme aus dem Reitsport und liebe Pferde. So war klar, dass ich die Frage im Laufe der Safari stellen werde. Stellen werde sie im Laufe der Safari zu jedem dieser fantastischen Tiere und jetzt hier erst einmal für die Elefanten.
Elly grinste mich an und sein Blick verriet mir „Karen, auf die Frage hatte ich schon gewartet“. Elly und ich hatten bereits am ersten Tag einen guten Draht zueinander. Ich mit meiner Neugier, der Neugier für die Tierwelt, meiner eigenen Tierwelt und mein therapeutisches Wissen und Elly mit seiner Lust, uns an seinem Wissen teilhaben zu lassen.
Wir waren uns einig „Wissen ist Macht, wenn man es teilt“ und das kann so viel Freude bringen und machen. Und so sprudelte es dann aus Elly raus „Ja, Elefanten haben einen speziellen Körperbau, Beine, die wie unter einem Tisch hängen und sie haben einen Gelenkmechanismus an den Knien. So sind sie in der Lage gut im Stehen zu Dösen“. Faszinierend, so ähnlich ist es bei den Pferden auch. Pferde besitzen eine Sägezahnvorrichtung.
Eine Elefantenherde voller Nannys und Tanten
Ja, eine junge Elefantendame kann auch „Nanny“! Die Elefantenherde ganz in der Nähe unseres Land-Cruisers hatten wir ganz genau studiert. Eine Elefantenkuh trottete langsam hundert Meter von uns entfernt zum Rest der Herde und im Schlepptau ihr Elefantenkalb. Ok, jetzt erst einmal angemerkt: Im Sprachgebrauch geht es hier um Kuh, Kalb, Kuhkalb und Bulle. Für mich als Bauernkind alles kein Problem und Elly muss hier nichts erklären, kann uns gleich viel mehr erzählen. Es bringt so viel Spaß und das schon gleich am zweiten Tag.
Nun also zu der Elefantendame. Die Elefantenkuh ging vorweg und das Kalb hinterher. Die Kuh machten keine Anstalten sich nach seinem Kalb umzuschauen und das erklärte uns Elly dann auch: „Das Kalb hat gleich nach der Geburt gelernt zu stupsen. Die Kuh bleibt immer wieder kurz stehen und das Kalb stupst“, meinte Elly. So muss die Elefantenkuh nicht schauen. Sie muss nur stehen bleiben und warten. „Elefanten stupsen“, lachte Elly.
Und wenn das gerade mal nicht funktioniert dann ist schnell eine Nanny, eine Tante oder ein Geschwisterchen zur Stelle. In einer Elefantenherde kümmert sich jeder.
Elefanten wollen nicht streiten
So viele Elefanten in der gesamten Savanne und nichts als Ruhe. Tiere, die als Herde gerade vor und hinter unserem Land-Cruiser den Weg kreuzten. Dickhäuter, welche sich grasend fortbewegten. Elefanten, welche unter Akazienbäumen dösten. Kleine Elefanten, die zusammen spielten. Nannys, Tanten und Mamas kümmerten sich um die ganz kleinen.
Harmonie pur!
„Elefanten wollen nicht streiten“ erklärte uns Elly. „Elefanten brauchen die sozialen Strukturen für die Aufzucht und für den Fortbestand der Herde. Nur wenn es um hierarchische Rangeleien geht, dann kann mal für einen Moment die Post abgehen“. Elefanten sind aufeinander angewiesen, gerade zum Fortbestand der Herde. Eine Elefantenkuh ist mehr als 20 Monate trächtig und wird nach der Geburt vom Kalb erst nach ein paar Jahren wieder tragend. So ist jedes Elefantenkalb sehr besonders und muss besonders gut behütet werden.
„Streitereien würden zu starken Verletzungen führen. Ein Hieb, ein Stoß – das haut selbst den stärksten um“ meinte Elly und blickte dabei auf die Herde ganz bei uns in der Nähe. „Schaut mal, diese Elefantenkuh wiegt bestimmt so um die 3,5 Tonnen und ihre Stoßzähne sind auch ganz schön lang. Wer will schon mit ihr streiten?“ Und mir kam dann über die Lippen „Wow, 3,5 Tonnen kenne ich!“ und ich lachte. „Fast so viel wie mein Passat mit Pferdeanhänger und unseren beiden Pferden!“
Vielleicht könnt ihr jetzt erahnen, wie viel Freude es uns gemacht hat bei den Elefanten hier der Savanne zu sein. Die Ruhe, die Weite, das Afrika, die Elefanten und wir. Wir hatten Fotos gemacht, Videos gedreht und die Elefanten studiert. Und auch wenn wir hier noch lange hätten bleiben können, so war klar, es gibt hier noch mehr zu sehen. Und nun kam wieder Elly ist Spiel. Zum Nachmittag noch Löwen, so war sein Plan.
Und dann ging es schnell: Der Funkverkehr wurde mehr. Elly unterhielt sich, mal am Handy mal am Walki-Talki. Und dann schmiss er den Motor an und ohne Blickkontakt zu uns setzte er den Land-Cruiser in Bewegung. „Bye-bye ihr Elefanten“, winkte ich rüber und dacht nur bei mir „Aber wir kommen wieder. Nicht dieses Jahr, aber bestimmt bald“.














