Die „Mini-Elefanten“ von Maweninga

Das Maweninga Tented Lodge Camp und seine „Mini-Elefanten“

Noch mit den tiefen Eindrücken unserer ersten Löwenbegegnung im Gepäck ging es für uns weiter. Die Savannen-Landschaft wurde von Kilometer zu Kilometer dichter, während wir uns den Weg hinauf zum Maweninga Tented Lodge Camp bahnten. Das Camp liegt spektakulär eingebettet auf einer wunderschön gelegenen Granitfelsengruppe.

Wir erreichten unser Ziel gerade noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang. Doch kaum hatte Elly unseren Land-Cruiser geparkt und ging um das Fahrzeug herum, war klar: Ein platter Reifen! Tja, auch das gehört zu einer echten Afrika-Safari einfach dazu. Höllenfahrt hin oder her – einmal auf jeder x-ten Reise erwischt es einen, das ist völlig normal. So hatte Elly erst einmal noch keinen Feierabend. Gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem Camp ging es sofort ans Reifenwechseln. Hilfe ist hier, wie in jedem Camp und überall unterwegs, in Sekundenschnelle zur Stelle. Man kennt und hilft sich einfach.

Herzliche Begrüßung im Camp

Im Camp wurden wir überaus herzlich vom Team begrüßt. Besonders beeindruckend wirkte auf uns ein Massai, der hier eine ganz besondere Rolle innezuhaben schien. Wir vermuten stark, dass er der Camp-Leiter war. Nach einer kurzen, erfrischenden Begrüßung mit einem kühlen Getränk und einem feuchten Tuch begleitete er uns zu unserem Zelt. In diesem kleinen, faszinierenden Areal auf den Granitfelsen verteilen sich um die 15 Zelte. Unseres war das sechste in der Reihe – ein Glücksfall, wie sich herausstellte, denn so war der Weg zurück zum Restaurant später angenehm kurz. Wir ließen nur schnell unsere Koffer hineinstellen und machten uns direkt wieder auf den Weg. Schließlich stand für den späteren Abend noch eine aufregende Nacht-Pirschfahrt auf dem Programm, weshalb ein schnelles, frühes Abendessen geplant war.

Das Restaurant selbst ist fantastisch gebaut: Selbst beim Essen genießt man einen atemberaubenden Blick in die unendliche Weite der Savanne. Über die Jahre ist die Baum- und Strauchlandschaft unterhalb der Felsen allerdings ein Stück dichter geworden, sodass man die Tiere von dort oben nicht mehr ganz so leicht erhaschen kann.

Der Sonnenplatz auf dem Granitfelsen

Kurz vor dem Abendessen saßen wir bei einer entspannten Fanta auf dem großen Granitfelsen und ließen die Blicke schweifen. Ja, da hinten am Horizont, das ist der Burunge-See. Und rechts, noch ein ganzes Stück weiter entfernt, schimmert wohl der Manyara-See. Direkt unter uns erstreckte sich ein Meer aus majestätischen Affenbrotbäumen, Sträuchern und dichtem Buschwerk. Man fragt sich unwillkürlich: Wo bewegt sich was? Streifen vielleicht genau in diesem Moment Elefanten tief unter uns durch das scheinbar undurchdringliche Dickicht?

Die milde Abendsonne wärmte die Felsen, und auf einmal wurde es richtig voll um uns herum. Auf den zahlreichen Felsvorsprüngen gesellten sich plötzlich unzählige Echsen zu uns – die besten Sonnenplätze wurden schlagartig rar!

Es waren Siedler-Agamen, die sich in der Abendsonne noch einmal eine letzte Dosis Wärme abholten. Sie machten es sich gar nicht weit von uns entfernt auf einem aufgeheizten Vorsprung gemütlich. In ganz ruhigen, bedächtigen Bewegungen griff ich nach meiner Kamera. Links absolute Vorsicht, damit die Fanta-Flasche nicht umkippt, rechts die Kamera fest in der Hand – und schon war der Moment mit den farbenfrohen Siedler-Agamen im Kasten.

„Vorsicht, Elefanten im Busch!“

Während wir noch ganz vertieft in unsere Echsen-Fotos waren, raschelte es plötzlich weiter oben im Gebüsch. „Ach, das wird wohl irgendein Vogel sein“, dachte ich mir noch im Stillen. Aber wer weiß? Vielleicht ja doch etwas ganz Besonderes. Mein Blick blieb jedenfalls gebannt an den Zweigen hängen.

Elly, der bis eben noch fleißig den Reifen am Land-Cruiser gewechselt hatte, kam nun zu uns herüber. Er wirkte sichtlich geschafft von dieser sportlichen Extra-Aktion am späten Nachmittag, doch als er unseren suchenden Blick bemerkte, verflog jegliche Müdigkeit im Nu. Anstatt in seine wohlverdiente Pause zu gehen, stellte er sich schmunzelnd zu uns.

„Vorsicht, Elefanten im Busch!“, flüsterte er schelmisch.

Äh… wie bitte? Echt jetzt? Elefanten? Direkt hier oben im Gebüsch auf den Felsen? Ich war vollkommen irritiert. Im ersten Moment dachte ich an das bekannte Märchen von den Mäusen und den Elefanten – das würde von der Größe her schon eher passen. Und dann entdeckte ich sie: kleine, graue, unheimlich possierliche Tierchen. Sie sahen den europäischen Meerschweinchen verblüffend ähnlich, und doch flüsterte mir Elly zu, dass sie biologisch tatsächlich eng mit den echten Elefanten verwandt sind!

„Es sind Dassies! Weil sie uns hier in Tansania an kleine Dachse erinnern“, erklärte er.

Dachse in Tansania?

„Ich wusste gar nicht, dass es in Tansania auch Dachse gibt“, dachte ich mir so. Aber ich musste den Gedanken gar nicht erst zu Ende denken. Irgendwie wusste Elly mittlerweile ganz genau, wie ich ticke, und die Erklärungen sprudelten nur so aus ihm heraus: „Ja, bei uns gibt es auch Dachse – Honigdachse!“

Ich habe später im Zelt noch ein wenig nachgelesen und gegoogelt: zu den Honigachsen, den Siedler-Agamen und natürlich zu den Dassies. Diese kleinen Wesen heißen im Deutschen übrigens Klippschliefer oder eben Klippdachse.

Also, wenn ihr jemals hier oben auf die Granitfelsen kommt: Haltet unbedingt Ausschau nach den „Elefanten“!

Die perfekten Fotomodelle von Maweninga

Nachdem wir nun biologisch bestens aufgeklärt waren, ging die Foto-Jagd auf die Elefanten-Verwandten – oder waren es Dachse? Oder doch Meerschweinchen? – erst richtig los.

Ich schwenkte die Kamera mitten in den Busch. Gar nicht so einfach, den Autofokus auf das kleine, graue Fellknäuel zu zwingen und nicht auf das saftige Blattgrün drumherum! Ich versuchte und versuchte mein Glück, aber eigentlich hätte ich auch einfach ganz entspannt abwarten können.

Denn nur ein paar Minuten später passierte das absolute Highlight: Sie kamen alle heraus! Als gäbe es kein Morgen mehr, saßen sie plötzlich überall: in den Ästen, auf den Steinen, auf den Felsvorsprüngen und sogar direkt auf dem Geländer unserer Lodge. Es wirkte fast so, als wollten sie uns zurufen: „So, die Damen und Herren, jetzt dürft ihr uns fotografieren!“

Und wie sie es genossen! Wie professionelle Topmodels posierten die Klippdachse direkt in meine Linse. Sie kletterten in die Zweige, setzten sich in Pose: erst der Körper elegant nach links gedreht, dann grazil nach rechts, und schließlich der perfekte Blick direkt in die Frontansicht. Der Blick ging – wie bei einem echten Model auf dem Laufsteg – verträumt in die Ferne, ein kleines, zufriedenes Lächeln auf den Lippen, und dann einfach stillhalten für das perfekte Foto. Was für ein unvergesslicher Abschluss vor unserer Nacht-Safari!

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