Ngorongoro Krater – faszinierende Tierwelt
Es war aufregend, direkt an den vielen Zebra- und Gnu-Herden vorbeizufahren. Jetzt in der Nebensaison waren zum Glück nicht so viele Land Cruiser unterwegs. Die Fahrzeuge am Vormittag verloren sich förmlich in der riesigen Weite des Kessels.
Langsam durch den Krater
Wir hatten bereits viele Fotos geschossen und nun wurde es Zeit weiterzufahren. Elly lenkte den Land Cruiser entlang der vorgeschriebenen Wege. Da er ohnehin nur maximal 25 km/h fahren durfte, konnten wir weiterhin entspannt im Fahrzeug stehen und aus dem offenen Dach blicken. Wenn es nicht gerade zu sehr ruckelte, gelangen selbst aus dem fahrenden Auto richtig gute Bilder.
Wir blieben also stehen, stützten die Arme auf und hielten die Kamera griffbereit. So ging es vorbei an den vielen Herden. Es gab kleine Zebragruppen mit vielen Stuten und Fohlen, aber auch reine Gruppen junger Hengste. Das gleiche Bild bot sich bei den Gnus. Überall dazwischen bewegten sich etliche Kuhreiher, Impalas und Thomson-Gazellen.
Hier bei den großen Herden verweilten die Kuhreiher ruhig im Gras und warteten auf eine leckere Mahlzeit, die vor ihnen aufschreckte. Das ist eine der wunderbaren Symbiosen in der Savanne. Die Kuhreiher fungieren als zuverlässiges Alarmsystem und die Herden sorgen im Gegenzug für den Proviant der Vögel. Während die Zebras das Gras abbeißen, flattern immer wieder kleine Grashüpfer und andere Insekten auf. Schon sind die Kuhreiher zur Stelle. Eine perfekte Win-Win-Situation.
Die Zebra-Fellzeichnung als einmaliger Fingerabdruck
Ich mag Zebras einfach unglaublich gerne. Sie besitzen eine wundervolle Fellzeichnung. Man kann sich vorstellen, wie man einem kleinen Künstler zwei Pinsel in die Hand gibt, einen mit weißer und einen mit schwarzer Farbe. Ganz egal wie er die Linien zieht, es entsteht immer ein absolut einzigartiges Muster. So wie unsere Fingerabdrücke einmalig sind, so ist es auch das Fell jedes einzelnen Zebras. Ich kann mich daran gar nicht sattsehen.
Unvergleichlich sind die feinen Striche auf dem Kopf, wie sie stromlinienförmig von den Nüstern hoch zur Stirn führen. Von dort gehen sie über in die Mähne und vorbei an den großen Ohren. Die Ohren sind so kuschelig groß, ganz anders als bei Pferden oder Eseln. Bei den Fohlen und Jungtieren ist das Schwarz oft noch von einem warmen Braun durchwebt, das erst allmählich in ein ebenmäßiges Schwarz übergeht.
Schaut man sich die Jungtiere genauer an, wirkt das Fell fast dreidimensional. Das Weiß liegt glatt an, während das Schwarz noch mit braunen Haaren durchzogen ist. Die kleinsten Fohlen tragen noch ein weiches, braun-weißes Flauschfell. Wir haben unglaublich viele dieser Fohlen fotografiert.
Marabus im Krater, die faszinierenden Aasfresser
Wenig später fielen uns Geier, Marabus und vermutlich auch einige Raubvögel auf. Elly steuerte das Fahrzeug etwas näher heran. Einige Vögel hatten sich an einer kleinen Wasserstelle niedergelassen. Aas konnten wir aktuell nicht entdecken, daher ging es den Tieren wohl nur um ein wenig Trinkwasser.
Ein Marabu stand gar nicht weit von uns entfernt. Auf den ersten Blick wirkte er richtig krank auf mich, aber Elly beruhigte uns sofort. Marabus sehen einfach immer so aus! Der Kopf wirkte wie verbrannt, mit nur wenigen borstigen Haaren auf der Haut. Die Haut um die Augen schälte sich leicht und es kam rosa Haut zum Vorschein. Am Hals sah es aus, als hätte ihm jemand alle Federn ausgerupft, die nun erst langsam nachwuchsen.
Elly klärte mich über diese ungewöhnliche Erscheinung auf. Marabus sind reine Aasfresser und tauchen mit Kopf und Hals tief in Kadaver ein. Hätten sie an diesen Stellen ein dichtes Gefieder, würden sich dort extrem schnell Bakterien und Parasiten einnisten. Wenn man darüber nachdenkt, macht diese Anpassung absolut Sinn. Ohne Federn können Blut und Gewebereste an Kopf und Hals in der Sonne und an der frischen Luft schnell trocknen und abfallen.
Der Regenstorch in der kurzen Trockenzeit
Ich fragte mich, warum Geier am Kopf meist ganz anders befiedert sind. Das liegt an den unterschiedlichen Techniken, wie die einzelnen Arten am Aas fressen, war Ellys knappe Antwort.
Plötzlich entdeckte er einen Abdimstorch. „Schaut mal, das ist ein Regenstorch“, rief er begeistert. Nun verstanden wir auch, warum er den Geiern eben nicht mehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Er erklärte uns, dass diese Störche ihren Namen tragen, weil sie gezielt mit den Regengebieten wandern.
Nach den ergiebigen Niederschlägen der letzten Monate gab es nun in der kurzen Trockenzeit ein reichhaltiges Nahrungsangebot im Krater. In den vielen verbliebenen Tümpeln wimmelte es von Fröschen, Insekten, Heuschrecken und Raupen. Der Ngorongoro-Krater bietet gerade in dieser Übergangszeit fantastische Bedingungen für die Vogelbeobachtung.
Wo Wasser ist, sind auch Flusspferde
Vor unserer Safari hatte ich keine genaue Vorstellung vom Krater. Weder von den gewaltigen Dimensionen noch von der vielfältigen Vegetation und Tierwelt. Es ist ein autarkes Ökosystem, in dem es Mensch und Natur an nichts fehlt. Es gibt reichlich Wasser und Futter für alle, ganz gleich ob Beute- oder Raubtier. Genau so funktioniert eine unberührte Natur.
Schon in den ersten Stunden im Krater hatten wir so unglaublich viel gesehen. Es gibt hier Seen, die rein alkalisch sind und der Vogelwelt eine perfekte Nahrungsgrundlage bieten. Und es gibt Süßwasserquellen, die das Trinkwasser für die riesigen Herden liefern.
Direkt an einer solchen Wasserstelle machte Elly eine kurze Rast mit uns. Er steuerte den Land Cruiser so ans Ufer, sodass wir den Blick hinüber zu den Hippos genießen konnten. Sie boten uns zwar kein großes Drama, aber das Beobachten war faszinierend. Mal tauchte ein Kopf auf, dann verschwand er wieder unter der Oberfläche. Wie viele Flusspferde sich genau im Wasser aufhielten, ließ sich kaum schätzen. Elly meinte nur, dass es definitiv mehr als nur ein paar seien.
Unter Wasser können Hippos problemlos mehrere Minuten die Luft anhalten.
Das Gewässer schien hier auch gar nicht besonders tief zu sein. Flusspferde sind schließlich keine echten Schwimmer, sondern laufen auf dem Grund des Gewässers. Die Wassertiefe lag also vermutlich bei knapp einem Meter. Und obwohl sie so massiv wirken, können sie an Land und im Wasser erstaunlich schnell werden.
Eine Tüpfelhyäne schlendert durch das Gras
Während wir noch zu den Hippos hinüberschauten, trottete ganz gemütlich eine Hyäne durch das hohe Gras. Immer wieder hielt sie inne und blickte aufmerksam in die Weite. So konnten wir ihren Körperbau ganz genau studieren. Sie hatte die typischen kurzen Hinterläufe, lange Vorderbeine und einen hoch angesetzten Kopf mit großen, runden Ohren. Kuschelig wirkt so eine Hyäne allerdings nicht.
Eine einzelne Hyäne stellt für große Tiere meist keine unmittelbare Bedrohung dar. Die übrigen Herden nahmen daher kaum Notiz von ihr. Besonders die Büffel, die nicht weit entfernt grasten, blieben völlig unbeeindruckt. Sie weideten ruhig weiter, während die Kuhreiher geduldig im Gras auf ihre nächste Mahlzeit warteten. Erst wenn diese Vögel plötzlich geschlossen aufflattern, muss man als Beutetier in Habachtstellung gehen. Die Hyäne war wohl nur auf der Suche nach einem Schluck frischem Wasser. Es war sehr interessant zu beobachten, wie exakt die Weidetiere einschätzen können, ob von einem Raubtier gerade eine Gefahr ausgeht oder nicht.
Beeindruckende Vogelbeobachtung im Ngorongoro-Krater
Der Krater wirkt auf mich wie eine moderne Arche Noah oder ein blühender Garten Eden. Hier trifft man einfach alle Arten auf engstem Raum an, allen voran die artenreiche Vogelwelt. Überall zirpt, trällert und hämmert es. Hier ruft ein Schmiedekiebitz, dort stakst ein Regenstorch und dazwischen kreisen die verschiedenen Aasfresser.
Überall in der grünen Landschaft verteilt sieht man die weißen Tupfen der Kuhreiher. Dazu gesellen sich Nilgänse und am Ufer des Sees leuchten viele rosa und weiße Flecken. Es sind Rosapelikane, Weißpelikane und natürlich die eleganten Flamingos.
Direkt am Wassersaum entdeckten wir zwei kleinere Vögel mit auffällig gebogenem Schnabel. Elly erklärte uns, dass es sich um Heilige Ibisse handelte. Auf den kleinen Felsen im Wasser trockneten einige Kormorane ihr Gefieder. Am eindrucksvollsten fand ich persönlich den Kronenkranich mit seiner leuchtend goldenen Federkrone.

















