Die große Tierwelt im Ndutu Gebiet
Noch ganz benommen von den überwältigenden Eindrücken im Ngorongoro-Krater machten wir uns auf den Weg in das Ndutu-Gebiet und weiter in die Serengeti.
Unser großes Ziel war es, die Great Migration und die vielen Neugeborenen in den riesigen Herden hautnah zu erleben.
Zwischenstopp im Olduvai Camp
Die Übernachtung im Olduvai Camp nutzten wir als Zwischenstopp, denn schließlich zählt auf einer langen Reise auch die Bequemlichkeit und unser Guide Elly brauchte ebenso seine wohlverdienten Pausen. Seit einem Tag plagten mich leichte Magenprobleme, weshalb mir diese Unterbrechung wirklich gelegen kam. So konnte ich mich ein wenig ausruhen. Auch solche ruhigen Momente gehören zu einer echten Safari dazu. Das Olduvai Camp liegt wunderschön mitten in der Savanne, direkt zwischen mächtigen Felsen aufgebaut. Beim Empfang wurden wir nicht nur von den Angestellten herzlich begrüßt, sondern auch von zahlreichen tierischen Bewohnern.
Die Staubsauger-Gang im Camp
Eine kleine Gruppe Zebramangusten flitzte neugierig zwischen den Steinen in unsere Richtung. Im warmen Sonnenlicht glänzten ihre gestreiften Rücken. Sie sind perfekte Anpassungskünstler und im Camp ausgesprochen nützliche Helfer. Wie kleine Staubsauger wuseln sie durch die gesamte Anlage. Sie buddeln im Sand, drehen jeden Stein um und vertilgen blitzschnell alles an Krabbeltieren, was ihnen vor die Nase kommt. Käfer, Tausendfüßler und Skorpione stehen auf ihrem Speiseplan, was uns Safari-Gästen ein echtes Wohlfühlambiente beschert.
Gegen Abend brach Bernd gemeinsam mit anderen Gästen und einem Massai zu einer kleinen Wanderung auf. Ihr Ziel war ein großer Felsen in der unmittelbaren Umgebung. Es ist immer wieder aufregend, die Savanne zu Fuß zu erkunden. In Begleitung des Massai war es eine absolut sichere und gelungene Runde. Der Sonnenuntergang ließ sich zwar bitten, doch der kleine Pirschgang blieb trotzdem das Highlight des Abends. Dafür entschädigte uns am nächsten Morgen der traumhafte Sonnenaufgang direkt aus unserem Zimmer. Gestärkt nach dem Frühstück hieß es schließlich: Auf zum Ndutu Lake.
Unsichtbare Grenzen zwischen den Schutzgebieten
Vom Olduvai Camp fuhren wir auf der Schotterpiste B144 in Richtung Nordwesten. Unser Weg führte uns vorbei am Naabi Gate und von dort fuhren wir nach links in Richtung Ndutu Lake. „Durch dieses Gate werden wir in zwei Tagen hinein in die Serengeti fahren“ erzählte Elly. Aber jetzt fahren wir erst einmal entlang der Grenze zwischen der Arusha-Region und der Simiyu-Region. „Ich muss mich hier streng an die Wege halten, darf das Ngorongoro-Schutzgebiet nicht einfach ohne abgestempeltes Serengeti-Permit verlassen. In zwei Tagen fahren wir ganz offiziell durchs Naabi Gate“, so klärte uns Elly weiter auf. Ich schaute mich daraufhin um und sah keine Zäune, keine Grenzsteine. Man muss es also genau wissen. Und ja, die Guides haben es bereits in ihrer Ausbildung gelernt. Hier wird nichts dem Zufall überlassen.
Ndutu : Faszination abseits der bekannten Pfade
Also ging es nun am Naabi Gate nach links weiter entlang zum Ndutu Lake. Wie an einer Perlenschnur gezogen sahen wir bereits viele Gnu- und Zebra-Herden durch die Savanne ziehen. Es war ein langsames Wandern. Viele der Gnu-Kälber hatten noch Reste der Nabelschnur unterm Bauch. Einige Herden weideten, andere standen an einem kleinen Wasserloch und tranken. Hier im Gebiet war die Savanne schon stark abgefressen. „Haltet die Augen auf, auch wenn es nur nach einer abgegrasten Savanne aussieht, hier gibt es so viele Tiere zu sehen“, meinte Elly. Also Augen auf und los.
Schon gab es den ersten tierischen Begleiter neben der Schotterpiste. Es war eine Riesentrappe. „Es sind Einzelgänger, wandern aber gerne mit den großen Herden und profitieren dort vom Aufscheucher-Effekt“, meinte Elly. Eine Riesentrappe sieht man fast nur am Boden schreiten und meistens allein. Wie interessant. Elly hielt seine Augen auf und wir versuchten es auch. Fast jedes Mal war er schneller, aber wir übten weiter.
Durch das Gras stöberten zwei Schabrackenschakale. „Schaut mal, zwei Trittbrettfahrer!“, kam es von Elly. Sie sind bezüglich ihrer Nahrung für alles offen. Sie jagen nach Kleintieren, patrouillieren dicht hinter den großen Raubtieren und stauben auch mal eine Nachgeburt ab. Einfach nur schlendern und abwarten, ja, das ist ihre Arbeitsweise. Dann lief eine Hyäne neben uns her und während wir langsamer fuhren, kreuzte sie kurz vor unserem LandCruiser den Weg. „Am Tage patrouillieren sie gerne als Einzelgänger. Aber Vorsicht, sie gehört bestimmt einem großen Clan an“, so meinte Elly. Die Hyänen haben sich an die Fahrzeuge gewöhnt und laufen auch einmal eine längere Zeit auf der Schotterpiste weiter.
Landschaftswechsel auf dem Weg nach Ndutu
Nach dem Naabi Gate lenkte Elly den LandCruiser ganz smooth auf der Schotterpiste entlang. Wir waren mit unseren Augen auf der Suche nach Tieren. „Schaut jetzt bis zum Ndutu Lake ganz genau hin. Es wird sich eine wunderbare Abfolge an Vegetation und Gelände zeigen“, so meinte Elly. Ja, nicht nur die Tierwelt ist spannend, sondern auch die Landschaft. Ich schaute also ab jetzt genau hin. Wir fuhren seit dem Naabi Gate durch eine Kurzgrassteppe, das hatte mir Elly erzählt.
Und dann konnte ich es zuordnen. Wir kamen vom Ngorongoro-Krater und nun hatte ich diese Landschaft hier auch verstanden. Auf dem vulkanischen Ascheboden kann einfach nicht viel wachsen. Der harte Boden verhindert tiefe Baumwurzeln und so wachsen hier vor allem verschiedene Gräser-Arten. Eine Landschaft, die Tiersichtungen so besonders und übersichtlich macht. In der Weite sahen wir Zebra-Herden, die grasend durch die Steppe zogen, begleitet von einzelnen Raubtieren.
Eine Kulisse, die nur aus Schotterpisten und schier unendlicher Graslandschaft bestand. „Das Gras ist hier besonders nahrhaft“, meinte Elly. Die großen Herden kommen gezielt hierher und bleiben wochenlang in dieser Grassteppe. Das Gras enthält besonders viel Calcium, Magnesium und auch Phosphor und so können die Stuten nahrhafte Milch produzieren. „Es ist die Schlemmermeile der südlichen Serengeti“, lachte Elly. Ich war wieder so begeistert. Elly hat es einfach drauf, es auf den Punkt zu bringen.
Weiter ins Ndutu-Waldgebiet
Von der Steppe ging es nahtlos über in das Ndutu-Waldgebiet. Der Boden wird durchlässiger und so können Baumwurzeln den Boden durchdringen. Es gab nun hohe Sträucher und Akazienbäume und es war spannend, durch diese Landschaft zu fahren. Hohe Akazienbäume breiteten sich wie Schirme über den Sträuchern aus.
Dann wurde es Mittag und wir machten am Ende des Waldgebiets unsere Pause. Unter einigen Akazien hatte Elly den LandCruiser mit Blick in die Ndutu-Senke abgestellt. Hier durften wir aus dem Fahrzeug aussteigen. Wieder eines der besonderen Highlights auf dieser Safari. Wir waren hier zwei LandCruiser. Der andere Wagen wurde von Ellys Kumpel gelenkt. Er hatte ein Schweizer Ehepaar aus der französischen Region chauffiert.
Ein Stimmenwirrwarr zog über die Akazien in die Ndutu-Senke. Elly sprach mit uns Deutsch, mit seinem Kumpel Swahili und mit den anderen beiden Gästen sprachen sie Französisch. Neben ihrer Guide-Ausbildung eine exzellente Sprachausbildung. Ich war mehr als begeistert. So standen wir nun mit unserem Sandwich in der Hand und dem Stimmenwirrwarr unter den Akazien und unser Blick ging weit in die Welt hinaus.












