Auf zum Ngorongoro Krater
Nach unserem wunderbaren Nachmittag im Lake Manyara Nationalpark ging es hinauf zur Bashay Rift Lodge. Für den nächsten Tag hatten wir eigentlich vorgesehen, mit Elly zu den Hadzabe am Lake Eyasi zu fahren. Leider ging es mir am Morgen nicht so gut, und so hatten wir den Tag zur Erholung in der Lodge verbracht. Auch so etwas kann eben vorkommen. Vielleicht kommen wir in den nächsten Jahren noch einmal hierher und können die Tour zu den Hadzabe dann nachholen.
Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auf direktem Weg los zum Loduare Gate zur Registrierung für den Krater. Vor dem Gate war viel los. Während Elly sich um die Formalitäten kümmerte, nutzten wir die Gelegenheit für einen Waschraumbesuch, denn in den nächsten Stunden im Ngorongoro Krater würden wir dazu kaum noch Gelegenheit haben. Elly hatte sich beeilt, denn vor den anderen Fahrzeugen am ersten Krater-Aussichtspunkt zu sein, ist sehr wichtig. Auf der Karte könnt ihr gut sehen, wie wir gefahren sind.
Unser Ziel war der Ngorongoro Crater View Point. Hier hieß es, einen guten Parkplatz zu ergattern, um von der Plattform aus frei in den Krater schauen zu können. Wir waren schnell vor Ort, und alles hat genau so geklappt, wie Elly es geplant hatte.
Der Ngorongoro Krater von oben
Der Blick in den Krater war gigantisch. Jetzt, in der kurzen Trockenzeit, ist es hier im Krater wunderschön grün. Die riesige Caldera ist durchzogen von vielen Wegen und dem blauen Tupfer des großen Lake Magadi auf der linken Seite. Hier auf dem Kraterrand wechseln sich die unterschiedlichsten Grüntöne ab. Mein Blick wanderte über dichte Sträucher, Farne und den Bergwald hinab, rechts über die Akazien im Lerai Forest runter an den Soda-See Lake Magadi.
Ich blickte auf helle Salzpfannen und weite Grasflächen. Elly zeigte mir mit ausgestrecktem Arm auch ein Sumpfgelände, den Gorigor Swamp. Das Gebiet wird durch unterirdische Quellen gespeist. Die abwechslungsreiche Vegetation mit Papyrus, Schilf und Gräsern bietet besonders den Flusspferden ideale Rückzugsmöglichkeiten.
Über meine Kamera versuchte ich, die ersten Tiere im Krater zu erhaschen. Im ersten Moment wirkten sie aus der Höhe wie winzige schwarze Tupfen. Auch wenn ich eine gute Kamera habe, wäre ein Fernglas an dieser Stelle die bessere Wahl zum reinen Beobachten gewesen. Ganz schemenhaft konnte ich schließlich ein Nashorn erblicken. Es weidete ganz ruhig in der Ebene, während einige Kuhreiher ihm Gesellschaft leisteten. Von hier oben konnte ich jedoch nicht erkennen, ob es ein Spitzmaul- oder ein Breitmaulnashorn war.
Der erste Elefant von oben
Kurz darauf entdeckte ich einen Elefanten. Seine langen Stoßzähne waren von hier oben als kleiner weißer Strich nicht zu übersehen. Auch einige weidende Gnus fielen sofort auf. Ganz in der Nähe einer Salzpfanne entdeckte ich noch ein weiteres Nashorn. Es lohnt sich also wirklich, die Augen offenzuhalten. Wenn mich nicht alles getäuscht hat, war das eine Nashorn-Dame mit Nachwuchs, und unweit davon stand noch ein Tier am oberen Rand der Pfanne. Hier auf der Salzpfanne waren Nashörner, Zebras und Gnus vereint in einer großen Herde zu sehen.
Für das nächste Mal werde ich mir vorab eine Papierkarte mitnehmen und meine Sichtungen direkt dort eintragen. Denn nicht alles haben wir später unten im Krater wiedergefunden oder anfahren können, dafür ist das Gebiet einfach zu riesig. Elly meinte, der Kraterboden umfasst eine Fläche von rund 300 Quadratkilometern, während das gesamte Schutzgebiet sogar bis zu 8.000 Quadratkilometer ausmacht. Bei solchen Dimensionen ist es kein Wunder, dass man nicht alles innerhalb weniger Stunden abfahren kann. Wir konnten von hier oben schließlich nur einen kleinen Bruchteil überblicken.
Grzimek Memorial
Mit diesen gewaltigen Eindrücken ging es auf der Schotterpiste entlang des Kraterrands weiter. Kurz vor dem Kraterausgang steht die große Pyramide, das Grab von Michael und Bernhard Grzimek. In meiner Kindheit gehörte die Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ fest zu unserem Alltag. Schon damals hatten es mir die Tiere in Afrika angetan. Beide haben nach ihrem Tod hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, direkt am Rand des Ngorongoro Kraters.
Der Ngorongoro Krater – das achte Weltwunder
Nachdem wir an der Pyramide kurz innegehalten hatten und von diesem einsamen Ort sehr berührt waren, ging es nun hinein in das achte Naturwunder. Auch viele Jahre später zeigt sich, dass sich der damalige Einsatz für den Naturschutz vollkommen gelohnt hat.
Über das Seneto Gate fuhren wir hinab in den Krater. Der Weg verläuft über ein festes Einbahnstraßensystem: Im Westen geht es hinab und im Süden bei der Pyramide wieder hinaus.
Im Krater selbst gibt es ein fest definiertes Netz aus offiziellen Schotterpisten. von oben war das zwar schlecht zu erkennen, aber wir bewegen uns im Krater ausschließlich auf diesen Wegen, wie Elly uns erklärte. Es gelten strenge Regeln: Tiere haben immer Vorfahrt, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 km/h und es gilt ein striktes Ausstiegsverbot.
In den nächsten Berichten nehme ich euch mit hinein in dieses Paradies auf Erden, in das Amphitheater der Wildnis. Seid gespannt!







