Lake Manyara Nationalpark – im Wandel
Mit unserer frisch zubereiteten Kartoffel-Eierspeise ging es ab zum Nihapa Gate des Lake Manyara Nationalparks.
Gleich hinter dem Park-Bogen wandelte sich die Welt schlagartig: Schotterwege, gesäumt von dichten Bäumen, Sträuchern und undurchdringlichen Büschen. Waren wir gestern im Tarangire noch von weiten Graslandschaften umgeben, standen wir hier plötzlich vor einem regelrechten Dickicht.
„Ob wir hier überhaupt Tiere entdecken werden? Es gibt ja nur dichtes Gestrüpp!“, sagte ich leise vor mich hin. Elly konterte sofort mit einem Lächeln: „Warte es ab! Die Tierwelt ist hier riesig. Ich halte die Augen für euch offen!“
Mittagessen mit Chips Mayai
Bevor wir tief in den Park eintauchten, steuerten wir einen Picknickplatz unweit des Gates an. Ich freute mich schon riesig auf unser frisch zubereitetes Chips Mayai. Auf dem Rastplatz waren bereits ein paar andere Safari-Gäste eingetroffen, aber dank der Nebensaison hielt sich der Andrang in Grenzen.
Zwischen den Tischen herrschte ein munteres Treiben. Während bei uns zu Hause die Spatzen um die Krümel betteln, flitzten hier kleine Bartvögel emsig durch die Beine der Bänke. Elly erklärte uns das Verhalten der kleinen Tiere:
„Die Vögel haben gelernt, extrem vorsichtig zu sein. Ihr buntes Gefieder ist ihnen in der Vergangenheit oft zum Verhängnis geworden – die Massai lieben diese Federn!“
Auch über unseren Köpfen gab es ein Spektakel zu beobachten: Zierliche Webervögel schwirrten durch die Baumkronen. Sie flogen nicht einfach nur umher, sondern steuerten gezielt ihre kunstvoll geflochtenen Nester an.
„Was glaubt ihr, wie man diese Weber hier nennt?“, forderte Elly unser Wissen heraus.
Das fröhliche Raten begann, doch wir kamen einfach nicht darauf. Dabei hätte ein genauer Blick gereicht: Es waren Tansania-Maskenweber.
Die Bauweise ihrer Nester faszinierte mich vollkommen. Aus langen Schilfblättern hatten die Vögel kleine, perfekte Bälle geflochten. Bei einigen Nestern lugte seitlich noch das Ende eines Akazienzweigs heraus. Während wir unser Mittagessen genossen, konnte ich den Blick nicht von den Kunstwerken wenden.
Ich zeigte auf ein besonders geschützt hängendes Nest und scherzte: „Nestbau am Ende der Sackgasse – ruhige Lage mit Bestnote!“ Elly lachte herzlich: „Genauso ist es! Schnelle Einflugschneise für Könner, aber viel zu wackelig für Fressfeinde!“
Durch das Manyara-Dickicht: Baumvielfalt und Pavian-Meetings
Gestärkt ging die Fahrt schließlich richtig los. Der Land Cruiser holperte über die Schotterpiste, vorbei an imposanten Wurstbäumen, Schirmakazien und leuchtenden Flammenbäumen.
Apropos Flammenbaum: Dieser stammt ursprünglich aus Madagaskar und gehört zu den invasiven Pflanzenarten im Lake Manyara Nationalpark. Elly nutzte die Fahrt spontan für eine kleine Botanik-Lektion. Das ist eben unser Guide: Mal fragt er Vokabeln auf Suaheli ab, im nächsten Moment erklärt er uns die heimische Pflanzenwelt.
Aber nun zur Tierwelt! Wer im dichten Grün genau hinschaut, entdeckt schnell die ersten Bewohner. Die vielen Paviane am Wegesrand übersieht man im Gestrüpp nämlich leicht. Hinter der nächsten Kurve saß die Rasselbande dann allerdings direkt auf der Piste:
„Pavian-Meeting auf der Schotterpiste!“, rief ich spontan, und im Land-Cruiser wurde gelacht.
Da die Affen am Rand der Fahrbahn entspannten, konnten wir langsam und problemlos an ihnen vorbeirollen. Schließlich waren wir auf dem Weg zum großen See – da wollten wir uns nicht von einer Gruppe neugieriger Paviane aufhalten lassen. Laut Elly ist die Tierpopulation im Park nach wie vor sehr hoch, aber das dichte Geäst macht das Entdecken zu einer echten Suchaufgabe.
Der Manyara Lake im Wandel: Wo sind die Flamingos geblieben?
Wir folgten einer wunderschönen Allee – ein geschwungener Sandweg unter riesigen Schirmakazien, durchzogen von einem traumhaften Spiel aus Licht und Schatten. Und dann öffnete sich der Blick: Vor uns lag der Lake Manyara.
Durch die Büsche hindurch schauten wir weit über die Wasserfläche. Viele Meter vom Ufer entfernt ragten abgestorbene Bäume und Sträucher wie Skelette aus dem Wasser. Würde jetzt noch Nebel aufsteigen, wäre die mystische Atmosphäre perfekt.
Dennoch wirkte der See auf mich stellenweise etwas verloren. Wo war die riesige Vogelwelt? Wo waren die berühmten Flamingos, für die der Lake Manyara einst so bekannt war?
Elly erklärte uns die ökologische Lage mit einem treffenden Vergleich:
„Der See ist wie eine große Badewanne. Wenn es stark regnet, füllt sich die Wanne – und läuft schließlich über!“
Die Uferflächen rund um den See wurden in den letzten Jahren extrem stark geflutet, was die gesamte Natur vor Ort verändert hat: Die weiten Grasflächen rund um den See stehen unter Wasser. Tiere wie Zebras wurden dadurch weit zurückgedrängt oder haben den Park auf der Suche nach Weideland sogar ganz verlassen.
Durch die gewaltigen Regenmengen hat sich die Zusammensetzung des Wassers stark verändert. Der Salzgehalt sank, wodurch die Nahrungsgrundlage (spezielle Algen) der Flamingos verschwand. Die großen Flamingo-Schwärme trifft man hier aktuell also leider nicht mehr an.
Mit diesen tiefen Eindrücken und dem neuen Wissen über den Wandel des Ökosystems setzten wir unsere Safari fort. Wir machten uns auf die Suche nach den verbliebenen Bewohnern: Werden wir die Elefanten, Giraffen und Büffel im dichten Grün noch aufspüren?





