Von Windhoek in die Kalahari
Der Auftakt unseres Namibia-Abenteuers: Von Windhoek aus geht es knapp 250 Kilometer gen Süden in die legendäre Kalahari-Wüste. Begleitet von endlosem Horizont, überraschenden Regenschauern und spürbarer Vorfreude führt uns die erste Etappe mit unserem Guide Wolfgang durch die faszinierende Dornstrauchsavanne direkt ins rote Sandmeer.
Aufbruch in die Weite: Von Windhoek in die Kalahari – mit Wolfgang am Steuer
Nach dem Start in Windhoek lag eine Strecke von knapp 250 Kilometern vor uns – unser Ziel: die legendäre Kalahari-Wüste. Diese Fahrt war für mich der emotionale Auftakt für mein späteres Buch. Unwillkürlich fühlte ich mich an unsere Touren durch die USA oder Südafrika erinnert. Endlose Horizonte, geprägt von der typischen „Dornstrauchsavanne“.
Auf feinen Pfaden durch karges Land
Wir konnten uns auf dieser Fahrt ganz auf die Landschaft konzentrieren, denn mit Wolfgang hatten wir nicht nur einen erfahrenen Guide und souveränen Fahrer an unserer Seite, sondern auch einen wunderbaren Begleiter. Seine Gelassenheit gab uns von der ersten Minute an ein absolut sicheres Gefühl.
Dominierend sind hier zunächst felsige Böden und steinige Ebenen. Alles wirkt karg, fast wie eine reine Wüstenlandschaft. Doch der Schein trügt! Dank der vergangenen Regenfälle waren die Staudämme gut gefüllt und das Grundwasser reichte aus, um die tief wurzelnden Kameldornbäume zu versorgen. So setzen sie verstreut ihre saftig grünen Akzente in der sonst so trockenen Ebene.
Die Verbindungsstraße ist gut ausgebaut, und mit dem erlaubten Tempo von 120 km/h kamen wir zügig voran. Ein erster Stopp führte uns nach Rehoboth an eine kleine Tankstelle. Und hier gab es auch gleich den ersten praktischen Tipp für die Reisekasse. Habt immer genug Kleingeld parat! Auch in Namibia gibt es mittlerweile kleine Gebühren für den Toilettengang – umgerechnet etwa 5 Cent, die man passend haben sollte.
Landschaft der Zäune und stille Erinnerungen
Die Fahrt selbst verlief entspannt. Der Blick aus dem Fenster ließ jedoch nichts Gutes erahnen. Dunkle Wolken zogen auf, und bei den ohnehin kühlen Temperaturen versprach Regen wenig Vergnügen. Ein Blick an den Straßenrand stimmte uns immer wieder nachdenklich. Kleine Holzkreuze, geschmückt mit frischen Blumen oder Erinnerungsstücken, standen im Gras – stumme Zeugen von Schicksalen im Straßenverkehr.
Hier im Süden fiel uns zudem ein deutlicher Unterschied zu unseren Erfahrungen in Tansania oder Südafrika auf. Gefühlt 90 Prozent des Landes sind eingezäunt. Das Vieh wird in diesen abgegrenzten Arealen gehalten, weshalb man kaum Tiere direkt an der Fahrbahn sieht. Das frei zugängliche „wahre Afrika“, wo Rinder und Ziegen völlig ungestört über die Schotterpisten spazieren, beginnt erst im Norden Namibias, oberhalb des Etosha-Nationalparks.
Begegnung mit traditionellem Handwerk
Kurz hinter Rehoboth überquerten wir immer wieder kleine Flussbetten – im Winter zwar völlig ausgetrocknet, doch ihre Breite lässt erahnen, welche Wassermassen hier während der Regenzeit hindurchrauschen.
Außerhalb der Ortschaften schien das Leben an der Straße zu ruhen. Doch plötzlich entdeckte ich einen kleinen Stand im Nirgendwo: eine einfache Hütte und davor ein Mann, der über dem offenen Feuer eine Gerblösung erwärmte, um darin Ziegenfelle einzuweichen. Fertige Felle hingen gut sichtbar an einer Leine zum Verkauf. Das Gerben ist hier ein tief verwurzeltes Traditionshandwerk. Oft kommen dabei ganz einfache Mittel wie Salz oder Baumrinde zum Einsatz. Die Felle sind meist günstiger als Industrieware – aber wenn man zugreift, sollte man die Qualität prüfen und das Feilschen nicht vergessen!
Schlammschlacht statt rotem Sand: Ankunft in der Kalahari
Während der Fahrt füllte sich meine Kamera mit Landschaftsaufnahmen – meine ganz persönlichen Gedankenstützen, um die Eindrücke für mein späteres Buch festhalten zu können. Und dann kam er doch. Der Regen, den wir so gar nicht gebraucht hätten.
Abenteuer auf der Schotterpiste
Eigentlich sollte jetzt die beste Zeit sein. Winter in der Kalahari, die Regenzeit liegt Monate zurück. Wir hatten uns bereits auf das berühmte Farbspiel zwischen Sonne, rotem Sand und den stolzen Oryx-Antilopen gefreut.
Doch als es von der Asphaltstraße für die letzte halbe Stunde rauf auf die Schotterpiste ging, bot sich uns ein ganz anderes Bild. Der romantische Blick in die Ferne erübrigte sich schnell – stattdessen galt die Aufmerksamkeit den nächsten 100 Metern: Riesige Wasserlachen übersäten den Weg!
Mit abgesenktem Luftdruck durch das Nichts
Für Wolfgang war das glücklicherweise Routine. Ein paar Handgriffe, um den Luftdruck in den Reifen abzusenken, und schon manövrierte er uns sicher durch Wasser und Schlamm. Mal ging es links, mal rechts an den tiefsten Pfützen vorbei, immer orientiert an den Spuren entgegenkommender Fahrzeuge. Ein echtes kleines Offroad-Abenteuer, das wir auf den Rücksitzen erstaunlich genießen konnten!
Kurz vor der Farm legten wir noch einen Stopp ein, um uns zwei gewaltigen Webervogelnestern in einem Baum zu widmen. Gigantische Bauten! Ein herabgestürzter Ast mit alten Nestern lag wie eine kleine Ruine am Boden – ein Siedlungsbau im Wandel. Die emsigen Vögel tummelten sich bereits in den Neubauten am Nachbarzweig und flogen geschäftig ein und aus. Ihre genial verschachtelten Eingänge schützen die Brut sogar vor Schlangen.
Nur die Sonne fehlte, um das Gefieder der Vögel richtig im Licht aufleuchten zu lassen. Vorbei an einer ausgetrockneten Salzpfanne, die mich stark an das Death Valley in den USA erinnerte, erreichten wir schließlich das Bagatelle Resort – und tauchten ein in eine surreale Welt voller faszinierender Kontraste.
Fazit und Ausblick
Die Fahrt von Windhoek in die Kalahari war ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Statt rotem Wüstensand erwarteten uns Schlammpisten und kühle Regenwolken. Doch dank Wolfgangs umsichtiger Fahrweise und seiner herzlichen Betreuung wurde auch dieser holprige Auftakt zu einem unvergesslichen Abenteuer. Wir sind gespannt, was uns die Kalahari in den nächsten Tagen noch zu bieten hat – hoffentlich dann mit ein paar wärmenden Sonnenstrahlen!











