Ngorongoro Krater – Die besonderen Großen
Als wir noch oben auf dem Plateau standen und in den Krater blickten, waren mir zwei Elefanten aufgefallen. Da dachte ich noch „Zwei einsame Elefanten, wo sind denn nur die anderen?“
Die alten weisen Elefanten
Wo sind sie nur, die vielen Dickhäuter? Elly hat uns dann aufgeklärt. Die Familien können mit ihren Jungtieren schlicht nicht den steilen Weg hinuntergehen. So bleiben die Herden eher am Kraterrand oder eben in anderen Gebieten wie der Serengeti, erzählte uns Elly. Im Krater leben nur zirka 30 bis 40 Elefanten. Das sind ausschließlich alte Elefantenbullen und ich würde sagen, es sind mächtige, weise Tiere. Viel hatte ich später darüber nachgedacht und auch in den sozialen Medien immer wieder Videos gesehen, wo sich kleine Elefantenbabys schon mit winzigen Hürden echt schwertaten.
Die wenigen Elefanten bei unserer Tour durch den Krater hatte ich mir ganz genau angesehen. Es waren wirklich betagte Riesen. Sie hatten mächtige Stoßzähne und im gestandenen Alter einen leicht höckerigen Rücken. Der Kopf war sehr wuchtig und rund geformt, was anhand der Kopfform direkt auf ein männliches Tier hindeutete. Jeden Elefanten umgaben unzählige Kuhreiher. Im Tarangire hatte ich schon viele Vögel bei den Elefanten gesehen, aber hier tummelten sich noch viel mehr um jeden einzelnen Bullen. Auf dem Rücken, auf dem Kopf und überall rundherum im Gras waren sie unterwegs.
Und da ist er wieder, dieser Garten Eden als ruhiges Paradies für alte weise Elefanten. Hier können sie ungestört ihren Lebensabend genießen oder zum Auftanken eine Art Kuraufenthalt wahrnehmen. Sobald die Elefantenbullen wieder in die Musth kommen, wandern sie wieder nach oben zu den Herden, denn Fortpflanzung ist extrem wichtig, erklärte uns Elly. Die Bullen zeigen sich als erfahrene Wanderer zwischen zwei Welten. Zwischen der Wohlfühloase im Ngorongoro Krater und der weiten Serengeti. Die extrem langen, schweren Stoßzähne zeugen davon. Es sind imposante Methusaleme, die man so wohl nur noch an ganz wenigen Orten in Afrika findet.
Die seltenen grasenden Spitzmaulnashörner
Schon oben von der Aussichtsplattform am Kraterrand hatten wir einige Nashörner ausmachen können. Wenn Elly nicht gesagt hätte, dass es auf jeden Fall Spitzmaulnashörner sind, hätte ich es aus der Ferne nicht festmachen können. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ein gutes Fernglas auf Safari absolut Pflicht ist. Gute Fotos schießen ist super, aber durch ein Fernglas kann man das Verhalten der Tiere viel besser beobachten. Die Black Rhinos sind eigentlich Buschfresser, aber hier im Krater fressen sie auch gerne am Boden, meinte Elly. Das konnten wir später bei der Fahrt zu unserem Mittagsplatz direkt beobachten. In der Ferne sahen wir ein Spitzmaulnashorn genüsslich beim Fressen von Gräsern und flachen Kräutern.
Es war ein ganz besonderer Moment, diese Nashörner wie Breitmaulnashörner fressen zu sehen. Trotz ihres etwas anderen Körperbaus haben sie gelernt, Nahrung vom Boden aufzunehmen. Elly erklärte uns noch, dass der Krater eine wunderbare Schutzzone für die Black Rhinos ist. Die Steilwände bieten eine Art Festung und machen es den Rangern leichter, die bedrohten Tiere zu bewachen.
Die Dagga-Boys
Bereits bei unserem Pirschgang im Arusha Nationalpark hatten wir eine große Büffelherde gesehen. Die Dagga-Boys waren im Arusha mitten in der Herde der Kühe und Kälber. Hier herrschten nun ganz andere Dimensionen. Vor uns standen acht Bullen, die echten Dagga-Boys. Elly stoppte den Wagen und fing an zu erzählen. Diese wuchtigen Büffel können hier in aller Seelenruhe grasen, denn mit ihnen legt sich so leicht kein Raubtier an, erklärte er uns. Die Herden mit Kühen und Kälbern wandern oftmals zwischen dem Kraterboden und den Hängen hin und her. Tagsüber halten sie sich meist im Schutz der bewaldeten Hänge auf. Vielleicht sehen wir die Herden später nach dem Mittagessen noch die Hänge hinuntersteigen, hoffte Elly.
Dagga steht für Schlamm, erläuterte unser Guide. Der Dreck ist ihre ganz persönliche Rüstung gegen Sonne und Parasiten. Je älter, umso doller, meinte ich schmunzelnd. Je älter die Büffelbullen werden, desto dicker wird die Kruste. Ihre eingerissenen Ohren kommen von vielen Kämpfen und zeigen den anderen ihre große Erfahrung. Elly hatte einfach unglaublich viel über die Büffel zu berichten.
Begegnungen aus nächster Nähe: Fuchs, Storch und Büffel
Während wir auf die Bullen schauten, streifte ein kleiner Fuchs durchs Gras. Der sucht wohl eher nach kleinen Tieren, fragte ich. Elly stimmte dem zu und bestätigte, dass er es auf kleine Nager abgesehen hat. Auch die ganz in der Nähe grasenden Herden von Antilopen und Zebras zeigten sich von dem Fuchs unbeeindruckt. Die Natur funktioniert hier hervorragend. Der Fuchs durchstreifte das Gras und vor ihm stand einer der Regenstörche, ein Abdimstorch. Erst war er noch unbeeindruckt, spannte dann auf einmal seine Flügel auf und flog ein Stück weiter. Aber der Fuchs hatte es gar nicht auf den Storch abgesehen. Dem kleinen Räuber war bestimmt klar, dass das keine Beute für ihn ist.
Wir standen mit unserem Land Cruiser mitten im Krater. Eine riesige Graslandschaft, in der Ferne die Kraterhänge und ein blauer Himmel mit einigen weißen Wolken. Neben uns streifte immer noch der Fuchs durch das Gras. Der Regenstorch wartete wohl ebenfalls auf einen kleinen Snack und vor uns standen die Dagga-Boys. Rund um die Büffel tummelten sich ganz viele Kuhreiher. Da ist sie wieder, diese perfekte Symbiose zwischen den Tieren, der Rasenmäher und sein gefiedertes Frühwarnsystem.
Ein Nilpferd an Land und die dösenden Löwen
Im Ngorongoro Krater erlebten wir wieder eine Szenerie wie im Garten Eden. Die riesigen Kraterhänge, davor der Lake Magadi und die vielen Vögel. Auch einige Zebras konnten wir vor dieser Kulisse beobachten, wie sie sich gerade gegenseitig das Fell kraulten. Dann lag mitten im Gras weiter links etwas Graues und weiter rechts etwas Braunes. Es war echt der Wahnsinn, links ein Hippo und rechts ein junger Löwe.
Wir werden im Ndutu noch viele Hippos sehen, aber hier ein Nilpferd beim Sonnenbad an Land zu beobachten ist etwas ganz Besonderes, schwärmte Elly. Und direkt daneben ein dösender Löwe inmitten der vielen Herden. So entspannt stellt er im Moment einfach keine Gefahr für die anderen Tiere dar.











