White Pocket
befindet sich im Vermilion Cliffs National Monument in Arizona. Es liegt etwa 38 Kilometer südwestlich der Stadt Page und grenzt an das berühmte Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness an.
White Pocket ist ein Geheimtipp mit seinen einzigartigen Gesteinsformationen. Weiße Sandsteine, skurril und ungewöhnlich geformt.
Echtes 4WD ist unerläßlich
Wir hatten im Vorfeld wie immer viel recherchiert. Auf den sandigen Wegen nach White Pocket kann man schnell mit dem Off-Road Fahrzeug stecken bleiben. Bis dann ein Abschlepper kommt kann es sehr lange dauern und so richtig teuer werden.
So hatten wir uns zur Tour mit Paria Outpost&Outfitters entschieden.
Wir hatten uns zu 8 Uhr an der Lodge mit Susan und Steve in Bigwater verabredet.
Zeitzonen beachten!
Ok, was hatte Susan noch in der Email geschrieben?
„We are expecting you 8 am Ut time tomorrow“. “Utah-Zeit”, das hatten wir doch glatt überlesen.
Unsere Unterkunft war in Page, Arizona und damit waren wir in einer anderen Zeitzone. Und prompt kamen wir eine Stunde zu spät.
Unser „Tour Guide“, Angie, von Paria Outpost&Outfitters hatte nur uns als Gäste und so ging unsere Verspätung auch nur von unserer Zeit ab.
Aber nun zu unserer Tour: Von der Lodge ist White Pocket auf dem Paria Plateau im Vermillion Cliffs National Monument „eigentlich“ nur 10 Minuten von Paria Outpost&Outfitters entfernt, aber..… White Pocket ist auf dem direkten Wege einfach nicht erreichbar.
So sind wir mit dem Off Road Fahrzeug gestartet, einmal um den ganzen Berg herum, knappe 1 ½ Stunden. Und das durch sehr unwegsames Gelände. Die Fahrspuren haben uns und vor allem dem Fahrzeug alles abverlangt. Unser Tour Guide nahm das alles ganz gelassen. Sie saß ganz cool am Steuer, ausgestattet mit Schlappen, Cappy und cooler Sonnenbrille. Sie fuhr die Strecke lässig und in alter Gewohnheit. Diese Strecke, welche sie schon seit 20 Jahre für uns Touristen fährt.
Später auf dem Rückweg, da hat sie so richtig Fahrt aufgenommen und ist so richtig durch den Sand, die tiefen Löcher und Spuren gerast. Manchen Moment hing ich so richtig im Gurt. Aber es war einfach klasse!
Die Hinfahrt nach White Pocket verlief jedoch nicht so schnell. Sie zeigte uns auf der Hinfahrt die Natur rund um White Pocket.
Multitasking-White-Pocket?
Angie hat ein Faible für die Natur, für die ungewöhnliche Vielfalt. Sie weiß genau wo welche Blumen und Sträucher auf der Fahrt zu finden sind. In einem Moment war sie noch in voller Fahrt und von jetzt auf gleich stoppte sie. Ihr Blick war bei den Fahrspuren und bei der Landschaft jenseits der Wege gerichtet.
Blütenvielfalt mit Tiefe!
Voll Speed die Fahrspur längs und von jetzt auf gleich stoppen. Genau das zeichnete sie auf dem Weg zu White-Pocket aus. Rechts weiter zurückliegend gab es wunderschön blühende „Colorado Four O’clock“. Diese Pflanzen mit ihren rosa bis violetten Blüten wachsen nur in heißen, trockenen Gegenden, eben wie hier in White-Pocket, aber auch in der Mojave Wüste und andere heißen, trockenen Gegenden. Toll, wie sie es dann schaffte diese Blüten besonders in Szene zu setzen. Mit einer Blechdose, die dort einfach rumlag, gab sie der Blütenvielfalt die besondere Tiefe im Foto.
Neben Trockenheit, Sand und heißer Sonne, immer wieder so viele schöne blühende Pflanzen.
So auch der „Agremone munita“, herrlich Weiß blühend dieser Stachelmohn. „Argemone munita is a species of prickly poppy“ so meinte Angie.
Bei einem anderen Stopp zeigte sie uns ein kleines Areal mit weiteren wunderschön blühenden Pflanzen. Die „Dalera purpurea“. Eine Pflanze, welche nicht einfach angefasst werden sollte.
„Please do not touch them. I always give the advice that it is best not to touch any plants here. They could be poisonous.“ so meinte Angie. Diese Pflanze enthält Opiat-Alkaloide. Die amerikanischen Ureinwohner wenden diese Pflanze medizinisch an.
Welche Pflanzen wir besser nicht anfassen sollten? Wir sollten eher sowieso gar nichts anfassen, so meinte Angie.
Sie kennt die Pflanzenwelt rund um White Pocket extrem gut und wir durften an ihrem Wissen teilhaben. Vielen Dank dafür.
White Pocket – hat nur wenige Besucher
Dann, nach einer schon sehr interessanten Fahrt, sind wir in White Pocket angekommen. Es stehen hier gerade mal 4 Fahrzeuge. 3 gehören zu einer Gruppe Fotografen, welche dort ihr Camp aufgebaut hatten. Ein Fahrzeug gehört zu einem anderen Guide.
Die Fotografen, auf der Suche nach den besten Fotos. Nach Fotos in dem besonderen Licht, ob bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Warten auf die besonderen Lichtverhältnisse, auf das „blue light“.
Und dann, einmal ein Foto teuer verkaufen, als Wallpaper oder so! An Apple, Microsoft und Co. Das wärs!
Unser Tour Guide, Angie, hatte nun den anderen Guide freudig begrüßt – klar man kennt sich. Sie hatte erst vor ein paar Tagen seinen Geburtstag mitgefeiert.
Danach hatte sie sich erst einmal per Funk bei Susan und Steve in Big Water bei Paria Outpost&Outfitters gemeldet. Nichts ist wichtiger als eine sichere Tour. „Irgendwo im Nirgendwo“ verloren gehen, das wäre einfach fatal.
Das wurde mir bei unserer jetzigen Tour mit jedem neuen Tag immer bewusster. Für uns aus einem ganz normalen Stadt-Leben ist das neu, aber für die Menschen hier ist es einfach Überlebensnotwendig.
Wanderung durch White Pocket
Nun sollte es losgehen, White Pocket zu Fuß zu erkunden. Wir statteten uns mit allem aus. Wasser, Coolnet Halstuch, Trekkingschuhe für uns, Sandalen für Angie. Schutzcreme vor der Sonne und Spray gegen die Moskitos. Sandalen für Angie, klar sie hatte im Laufe der Jahre jeden Stein und jede Unebenheit kennen gelernt und daher konnte sie sich in White Pocket auch mit Sandalen sicher bewegen.
Wir setzten unsere Rucksäcke mit dem Kamera-Equipment auf und dann gingen wir los.
Felsen wie Panettone, Hefekuchen und mehr
Bereits nach einigen Metern der erste Blick auf die gigantische Felsenlandschaft! WOW!
Diese skurril geformten Felsen, diese Kombination von weichen Farben. So etwas hatten wir so zuvor noch nie gesehen. Jeder Fels, jede Plattform sieht aus, wie ein jahrealter, aufgegangener und versteinerter Hefekuchen.
Geht man weiter durch White Pocket fügt sich zum Bild des durchgerührten Hefekuchens eine sowohl lebendige als auch eine „wartende“ Pflanzen- und Tierwelt“ hinzu.
Pinien, Eichen und Wacholder wachsen auf nahezu kargen Felsen. Moose, Flechten und Urtiere, völlig unscheinbar, warten unter Umständen jahrelang regungslos auf den nächsten Regen. Aber auch Echsen gehören hier zur Felsen-Landschaft.
White Pocket … immer weiter durch den Hefekuchen
Die Natur, so erfinderisch. Ob Trockenheit oder Regen – jede Pflanze und jedes Tier schaffte es darauf entsprechend zu reagieren. Diese Natur hier wird den Klimawandel überleben, so hoffen wir. Oder hat diese Natur es bereits geschafft dem Klimawandel zu trotzen? Vieles deutet darauf hin.
Die Felsformationen, die wie klaffende Wunden nach einem Messerschnitt aussehen. Diese verdeutlichen uns die Verletzlichkeit der Natur.
Wie wanderten weiter durch White Pocket, waren mega-geflasht und machten unsere Fotos. Wir stapften durch ein Blech voll Hefekuchen
Angie hatte ihren Plan für die vielen Besonderheiten hier in White Pocket. Sie hatte den Weg und die Zeit jederzeit im Blick. Wenn wir gerade unsere Fotos machten, hielt sie inne, hielt sich zurück. Ging auch gerne einmal zur Seite, damit wir die schönsten Fotos schießen konnten.
Moose zum Leben erwecken
Dann wieder zeigte sie uns Fauna und Flora, erzählte uns etwas zur Entstehungsgeschichte der Felsen. Vieles ist noch nicht weiter erforscht, so meint sie. Die Tier- und Pflanzenwelt lebt hier mit der extremen Natur.
Sobald es regnet blühen Moose auf. Kaulquappen und Urfische zeigen sich in den kleinen Pfützen.
Die weiße Flanellmotte, welche ganz unscheinbar auf einer Pinie saß. Mit bloßem Auge kaum erkennbar, aber unser Foto hat sie hervorgebracht.
Es ist eine Natur in ständigem Wandel. Eine Tier- und Pflanzenwelt, die mit den extremen Naturgewalten lebt. Für uns ist der Klimawandel noch neu, aber in White Pocket hat sich die Natur auf die Klimaschwankungen schon längst eingestellt.
Angie hatte uns all das gezeigt. Wir sahen Moose, die vertrocknet auf dem Felsen lagen. Sie goss dann ein wenig Wasser drüber und so erweckte sie die Moose zum Leben. Es war wunderschön anzusehen.
White Pocket, ein Ort voller Demut
Wir wollten White Pocket wegen der einzigartigen Felsformationen besuchen. Und natürlich auch, um besondere Fotos zu machen. Dank Angie haben wir von dieser Tour so viel mehr mitgenommen:
Geballtes Wissen über ein Stück unberührte Natur, eine phantastische Landschaft, einer besonderen Tier- und Pflanzenwelt.
All das hätten wir im Alleingang nicht erfahren. Wir hatten aus dem Sicherheitsaspekt heraus diese geführte Tour gebucht, aber wurden mit so viel mehr belohnt.
Wir verlassen diesen Ort voller Demut!




























