Valley of the Gods – Utahs unentdecktes Juwel aus rotem Sandstein

Die ungezähmte Alternative zum Monument Valley

Stell dir vor, du fährst durch eine endlose, staubige Wüstenlandschaft, in der riesige, feuerrote Felsmonolithen wie steinerne Götter aus dem Boden ragen – und du hast diese Kulisse fast ganz für dich allein. Das ist das Valley of the Gods im Südosten Utahs.

Während das weltberühmte Monument Valley oft von Touristenmassen und strengen Regeln geprägt ist, bietet das Valley of the Gods die pure, raue Freiheit des Wilden Westens. Hier gibt es kein Besucherzentrum, keine asphaltierten Straßen und keine Absperrbänder. Stattdessen erwartet dich eine 17 Meilen lange Schotterpiste, die sich durch eine der spektakulärsten Landschaften des Colorado-Plateaus schlängelt.

Warum sich der Umweg in den Südosten Utahs lohnt

Der größte Luxus im Valley of the Gods ist die Stille. Da das Gebiet vom Bureau of Land Management (BLM) verwaltet wird und nicht zum Navajo-Stammespark gehört, ist der Eintritt frei und das Erlebnis deutlich ursprünglicher. Es ist der perfekte Ort für Reisende, die das „echte“ Utah suchen – abseits der ausgetretenen Pfade, aber mit einer Kulisse, die jeder Hollywood-Produktion würdig wäre.

Was dich auf dem 17-Meilen-Weg erwartet

Die Fahrt über die Valley of the Gods Road (FR 242, ca. 27 km unbefestigte Schotterstraße) ein Erlebnis für sich. Auf dieser Strecke passierst du isolierte Tafelberge, spitze Felsnadeln und gewaltige Buttes, die über Jahrmillionen durch Wind und Wasser geformt wurden. Jede Kurve eröffnet einen neuen Blickwinkel auf Formationen, die Namen tragen wie „The Battleship“ oder „Hand of the Gods“. Es ist eine Reise durch die Erdgeschichte, bei der du das Tempo selbst bestimmst – ob für ein schnelles Foto oder ein einsames Picknick im Schatten der Giganten.

Planung & Anreise: So bereitest du dein Abenteuer vor

Das Valley of the Gods liegt im sogenannten „Bears Ears National Monument“ im Südosten Utahs, unweit der kleinen Stadt Mexican Hat. Da es hier keinerlei Infrastruktur gibt – kein Wasser, kein Benzin, kein Handyempfang –, ist eine gute Vorbereitung das A und O für einen entspannten Besuch.

Anfahrt über den Highway 163 und den Moki Dugway

Die meisten Reisenden erreichen das Tal über den U.S. Highway 163. Der östliche Eingang der Rundstrecke zweigt etwa 15 Meilen nördlich von Mexican Hat ab.

Tipp: Kombiniere deinen Besuch mit dem Moki Dugway (Highway 261). Diese steile Schotterstraße führt in engen Serpentinen die Felswand des Cedar Mesa Plateaus hinauf. Vom Aussichtspunkt „Muley Point“ oben hast du einen atemberaubenden Blick über das gesamte Valley of the Gods bis hin zum Monument Valley. Du kannst das Tal also erst durchqueren und es danach aus der Vogelperspektive bestaunen.

Beste Reisezeit und Wetterbedingungen

Die ideale Zeit für einen Besuch sind das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (September bis Oktober). In diesen Monaten sind die Temperaturen angenehm mild.

Sommer: Es kann extrem heiß werden (über 35°C), was Wanderungen anstrengend macht.

Winter: Schnee ist möglich und macht die unbefestigte Straße oft unpassierbar.

Fahrzeug-Check: Brauchst du Allradantrieb (4WD)?

Das ist die am häufigsten gestellte Frage. Die 17 Meilen lange Rundstraße ist eine unbefestigte Schotterpiste (Gravel Road).

Bei trockenem Wetter ist die Strecke meistens mit einem normalen PKW (mit etwas Bodenfreiheit, z. B. ein kleiner SUV) machbar. Allradantrieb ist dann nicht zwingend erforderlich, macht die Fahrt aber komfortabler.

Bei Regen: Vorsicht! Die Straße führt durch mehrere Trockenflusstäler (Washes). Schon ein kurzer Regenschauer kann den Boden in schmierigen, tiefen roten Schlamm verwandeln. In diesem Fall solltest du die Fahrt nur mit einem echten Geländewagen antreten oder ganz darauf verzichten.

Die Highlights: Die markantesten Felsformationen im Überblick

Wenn du durch das Tal fährst, wirst du merken, dass die Felsen fast wie eingefrorene Skulpturen wirken. Da es keine offiziellen Wanderwege gibt, sind die Formationen selbst die Wegweiser deiner Tour.

Von „Lady in a Tub“ bis „Seven Sailors“: Die skurrilsten Namen

Die frühen Siedler und Reisenden hatten viel Fantasie, als sie den Monolithen ihre Namen gaben. Es macht richtig Spaß, während der Fahrt zu raten, welcher Felsen gemeint ist. Hier sind die bekanntesten:

Lady in a Tub: Mit ein bisschen Fantasie erkennst du eine Dame, die in ihrer Badewanne sitzt.

The Seven Sailors (Die sieben Matrosen): Eine Gruppe von spitzen Felssäulen, die wie Matrosen in Uniform nebeneinanderstehen.

Setting Hen (Die gluckende Henne): Ein breiter Butte, der einer sitzenden Henne verblüffend ähnlich sieht.

Castle Butte: Er thront wie eine uneinnehmbare Festung über dem Tal und ist eines der meistfotografierten Motive.

Fototipps für das perfekte Licht zur Golden Hour

Das Valley of the Gods ist ein Traum für Fotografen, weil du hier (im Gegensatz zu anderen Parks) oft keine anderen Menschen im Bild hast.

Die Golden Hour: Kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang leuchten die Felsen so intensiv rot, dass es fast künstlich wirkt.

Vordergrund nutzen: Nutze die vertrockneten Sträucher oder vereinzelte Kakteen im Vordergrund, um deinen Fotos mehr Tiefe zu geben.

Mondschein: Wenn du die Chance hast, bei Vollmond dort zu sein: Die hellen Sandsteinfelgen leuchten im Mondlicht fast wie von selbst.

Wandern und Camping: Freiheit pur auf BLM-Land

Das ist die größte Besonderheit hier: Da das Land dem Bureau of Land Management (BLM) gehört, darfst du hier fast überall „wild“ campen (Dispersed Camping).

Wandern: Es gibt keine markierten Trails. Du kannst einfach dein Auto sicher am Rand abstellen und loslaufen. Achte aber darauf, wo du hergekommen bist – in der Weite verliert man leicht die Orientierung!

Camping: Stell dir vor, du wachst morgens auf, öffnest dein Zelt oder deinen Camper und direkt vor dir ragt ein gewaltiger Felsgott in den Himmel. Es gibt keine sanitären Anlagen, also sei vorbereitet!

Wichtige Tipps für einen sicheren Besuch

Die Freiheit im Valley of the Gods ist herrlich, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Da du dich in einer abgelegenen Wüstenregion befindest, solltest du ein paar Grundregeln beachten, damit dein Abenteuer nicht unangenehm endet.

Sicherheit bei Sturzfluten (Flash Floods)

Das ist die größte Gefahr in dieser Region. Die Straße im Tal kreuzt an vielen Stellen trockene Flussbetten (sogenannte Washes). Selbst wenn es bei dir im Tal sonnig ist, kann ein Gewitter in den weit entfernten Bergen dazu führen, dass innerhalb von Minuten eine meterhohe Wasser- und Schlammwand durch das Tal schießt.

Wenn dunkle Wolken aufziehen oder es zu regnen beginnt, verlasse das Tal umgehend. Versuche niemals, eine überflutete Straße zu durchqueren – die Strömung ist oft stärker, als sie aussieht, und der Untergrund wird zu Treibsand.

„Pack it in, pack it out“: Verhalten in der sensiblen Wüste

Da es im Tal keine Müllabfuhr und keine Reinigungskräfte gibt, ist die Eigenverantwortung der Besucher gefragt.

Müll: Nimm absolut alles wieder mit, was du mitgebracht hast (auch organische Abfälle wie Bananenschalen).

Biokruste: Vermeide es, abseits der ausgetretenen Pfade auf den dunklen, krustigen Boden zu treten. Das ist „lebende“ biologische Bodenkruste, die den Wüstensand vor Erosion schützt und Jahrzehnte braucht, um nachzuwachsen. „Don’t bust the crust!“

Verpflegung und Tankstopps in der Umgebung

Unterschätze niemals die Entfernungen und die Trockenheit.

Wasser: Nimm mindestens eine Gallone (ca. 4 Liter) Wasser pro Person und Tag mit, auch wenn du nur eine kurze Durchfahrt planst.

Benzin: Tanke in Mexican Hat oder Bluff voll. Es gibt im Valley of the Gods keine Tankstellen und dein Auto verbraucht auf der Schotterpiste oft mehr Sprit als gedacht.

Handyempfang: Verlasse dich nicht auf dein GPS oder Online-Karten. In weiten Teilen des Tals hast du kein Signal. Lade dir die Karten vorher offline herunter oder nimm eine klassische Papierkarte mit.

Bluff Fort

In der Nähe des Valley of the Gods liegt Bluff. Und mittendrin die Bluff Fort Historic Site. Sie ist ein bedeutendes Zeugnis der Pionierzeit im Südosten von Utah.

Das Fort wurde von frühen Siedlern errichtet, um Schutz und Zuflucht in der oft unbarmherzigen Wüstenlandschaft zu bieten. Es diente als Stützpunkt in einer Zeit, in der das Überleben in der Region große Herausforderungen mit sich brachte.

Die Anlage zeigt typische Bauweisen der Pioniere mit robusten, einfachen Strukturen, die den Bedürfnissen und den begrenzten Ressourcen der damaligen Zeit entsprachen. Original erhaltene oder restaurierte Gebäude geben einen authentischen Einblick in das Leben der frühen Siedler.

Übernachtung

Man kann das Valley of the Gods von Page oder Moab aus gut erreichen. Wer will, kann die ca. 450 km lange Strecke in ca. 5 h bewältigen. Dann bleibt aber nur wenig Zeit für die Naturwunder unterwegs. Daher empfehlen wir eine Übernachtung in Bluff.

Unter den zahlreichen Hotels in Page hat sich bei uns mittlerweile das Courtyard Page at Lake Powell als Lieblingshotel in Page herauskristallisiert. Es liegt verkehrsgünstig aber doch ruhig, hat einen tollen Pool und zahlreiche Sitzgelegenheiten im Außenbereich, um die langen Sommerabende zu genießen.

In Moab können wir die beiden Marriott-Hotels Fairfield Inn & Suites by Marriott Moab und SpringHill Suites by Marriott Moab sowie das Holiday Inn Express Hotel & Suites Moab, an IHG Hotel empfehlen. Es gibt aber auch noch andere Hotels in Moab.

In Bluff können wir das traumhafte Bluff Dwellings Resort sehr empfehlen.

Die besten Reisezeiten

Die idealen Zeiten für einen Besuch im Valley of the Gods sind der Frühling (März–Mai) und der Herbst (September–November).

Im Frühling und im Herbst herrschen angenehme Temperaturen. Tagsüber ist es 15–25 °C, ideal zum Wandern und Erkunden. Zudem ist es im Vergleich zu den Sommermonaten ruhiger. Warme Farbtöne bei Sonnenaufgang und -untergang sorgen für stimmungsvolle Lichtverhältnisse.

Im Sommer kann es sehr heiß (über 35 °C) werden. Es gibt wenig Schatten. Wandern und andere Aktivitäten können sehr anstrengend werden. Die Gefahr von Dehydration und Hitzschlag ist erhöht.

Wenn es Sommer sein muss, solltet ihr Eure Aktivitäten in die frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden planen.

Im Winter (Dezember–Februar) ist es meist mild, aber die Nächte sind kalt (-5 bis 10 °C). Gelegentliche Schneefälle lassen die Felsformationen spektakulär aussehen.

Fazit: Die Magie der Einsamkeit erleben

Das Valley of the Gods ist der Inbegriff dessen, was den Südwesten der USA so magisch macht: Weite, Stille und eine Natur, die so gewaltig ist, dass man sich selbst ganz klein vorkommt. Es ist kein Ort, den man einfach nur „abhakt“, sondern ein Ort, den man fühlen muss.

Während das benachbarte Monument Valley eine beeindruckende Kulisse bietet, schenkt dir das Valley of the Gods das Gefühl eines echten Entdeckers. Hier kannst du am Fuße eines roten Giganten stehen, dem Wind lauschen und die Zeit vergessen, ohne dass dich Absperrungen oder Touristenströme stören.

Wenn du die Freiheit liebst, gerne abseits der asphaltierten Straßen unterwegs bist und die raue Schönheit der Wüste suchst, wird das Valley of the Gods wahrscheinlich eines der größten Highlights deines gesamten Roadtrips sein. Nimm dir genug Zeit, pack ausreichend Wasser ein und lass dich von der Energie der „Felsgötter“ verzaubern. Ein Abenteuer, das zeigt: Die schönsten Orte sind oft die, die man sich ein kleines bisschen selbst erarbeiten muss.

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