Olympic National Park: Der ultimative Reiseführer für dein Abenteuer im Nordwesten

Stell dir einen Ort vor, an dem du am Morgen über schneebedeckte Berggipfel blickst, mittags durch einen moosbehangenen, gemäßigten Regenwald wanderst und den Abend an einem wilden, zerklüfteten Pazifikstrand ausklingen lässt. Der Olympic-Nationalpark im Bundesstaat Washington ist kein gewöhnliches Reiseziel – er ist ein gewaltiges Ökosystem der Superlative und eines der vielseitigsten Schutzgebiete der USA.

Auf fast 4.000 Quadratkilometern bietet die Olympic-Halbinsel eine landschaftliche Vielfalt, die weltweit ihresgleichen sucht. Ob du die absolute Stille im berühmten Hoh Rainforest suchst, die majestätische Aussicht von der Hurricane Ridge genießen möchtest oder die mystische Atmosphäre der nebelverhangenen Küste liebst: Dieser Park zieht Outdoor-Enthusiasten, Fotografen und Ruhesuchende gleichermaßen in seinen Bann.

In diesem Reiseführer erfährst du alles, was du für deine Planung wissen musst. Wir zeigen dir die besten Sehenswürdigkeiten, geben Insider-Tipps zu den schönsten Wanderrouten und helfen dir dabei, das Beste aus deiner Zeit in diesem UNESCO-Welterbe herauszuholen. Pack deine Wanderschuhe ein – die Wildnis wartet auf dich!

Drei Ökosysteme in einem Park: Die einzigartige Vielfalt

Was den Olympic-Nationalpark von fast allen anderen Nationalparks der USA unterscheidet, ist seine außergewöhnliche ökologische Vielfalt. Auf engstem Raum triffst du hier auf drei völlig unterschiedliche Welten. Diese geografische Besonderheit ist darauf zurückzuführen, dass die feuchten Luftmassen des Pazifiks direkt auf die hohen Gipfel der Olympic Mountains treffen.

Die zerklüftete Pazifikküste

Die Küstenlinie des Parks erstreckt sich über fast 117 Kilometer unberührte Wildnis. Hier erwartet dich keine typische Badestrand-Idylle, sondern eine dramatische Landschaft aus dunklem Sand, riesigen Treibholzstämmen und den markanten Sea Stacks – gewaltige Felsnadeln, die aus dem Meer ragen.

Highlight: Bei Ebbe entstehen in den Gezeitentümpeln (Tide Pools) kleine Ökosysteme voller Seesterne, Anemonen und Krabben.

Der gemäßigte Regenwald

Im Westen des Parks, wo der jährliche Niederschlag Rekordwerte erreicht, liegen die mystischen Regenwälder wie der Hoh Rainforest oder das Quinault Valley. Riesige Sitka-Fichten und Westliche Hemlocktannen sind hier über und über mit Farnen und dicken Moosteppichen bedeckt.

Atmosphäre: Es wirkt wie in einer anderen Welt – das tiefe Grün und die Stille (abgesehen vom Plätschern des Regens) machen diesen Teil des Parks zu einem fast spirituellen Erlebnis.

Die alpinen Hochgebirge

Das Herzstück des Parks bilden die Olympic Mountains. Hier dominieren schroffe Gipfel, vergletscherte Täler und weite Almwiesen. Während die Küste oft im Nebel liegt, kannst du hier oben oft über den Wolken stehen.

Flora & Fauna: Im Sommer blühen auf den Bergwiesen unzählige Wildblumen, und mit etwas Glück entdeckst du Murmeltiere oder Schwarzwedelhirsche, die in den alpinen Höhenlagen zu Hause sind.

Die Highlights: Das musst du im Olympic-Nationalpark gesehen haben

Die alpinen Hochgebirge: Auf dem Dach der Olympic-Halbinsel

Das Herzstück des Parks wird von den zerklüfteten Olympic Mountains dominiert. Dieses Hochgebirge ist eine geologische Besonderheit, da es isoliert vom Kaskadengebirge direkt aus der Halbinsel emporragt. Hier oben erwarten dich subalpine Wiesen, ewiges Eis und Panoramablicke, die an klaren Tagen bis nach Kanada (Victoria, B.C.) reichen.

Hurricane Ridge: Der einfachste Weg in die Höhe

Die Hurricane Ridge ist der meistbesuchte Ort im Hochgebirge, da sie über eine gut ausgebaute Straße von Port Angeles aus leicht erreichbar ist. Schon die Fahrt nach oben bietet spektakuläre Ausblicke. Oben angekommen, führen befestigte Wege durch Wiesen, die im Juli und August in einem Meer aus Wildblumen (wie der geschützten Olympic-Glockenblume) versinken.

Im Winter verwandelt sich die Ridge in ein Paradies für Schneeschuhwanderer und Skifahrer – die Aussicht auf die verschneiten Gipfel des Mount Olympus ist dann besonders magisch.

Mount Olympus und die Gletscher

Der Mount Olympus ist mit 2.432 Metern der höchste Gipfel des Parks. Er ist so massiv und wetterexponiert, dass er trotz seiner vergleichsweise geringen Höhe (im Vergleich zu den Rocky Mountains) eine enorme Vergletscherung aufweist.

Eine Besteigung ist erfahrenen Alpinisten vorbehalten, aber Wanderer können auf dem Hoh River Trail bis zum Blue Glacier wandern, um die gewaltigen Eismassen aus der Nähe zu sehen.

Die Tierwelt der Gipfel

Halt die Augen offen! In den alpinen Regionen lebt das Olympic-Murmeltier, das ausschließlich hier vorkommt. Auch Schwarzwedelhirsche grasen oft friedlich auf den Wiesen der Hurricane Ridge. Da die Tiere hier geschützt sind, zeigen sie oft wenig Scheu, was fantastische Fotomöglichkeiten bietet.

Wandertipp für diesen Abschnitt: Wenn du eine moderate Wanderung mit 360-Grad-Aussicht suchst, empfehle ich den Hurricane Hill Trail. Er ist ca. 5 km lang (hin und zurück) und bietet dir das volle Panorama über die Strait of Juan de Fuca und die umliegenden Berggipfel.

Der gemäßigte Regenwald: Eine Welt aus Moos und Farnen

Der Olympic-Nationalpark beherbergt eines der besten Beispiele für einen gemäßigten Regenwald weltweit. Während tropische Regenwälder heiß und feucht sind, ist es hier kühl und… nun ja, sehr nass. Bis zu 3.800 mm Niederschlag fallen hier pro Jahr. Das Ergebnis ist ein Ökosystem, das so dicht und grün ist, dass es fast unwirklich erscheint.

Der Hoh Rainforest: Das grüne Herz

Der Hoh Rainforest ist der bekannteste Teil des Parks. Sobald du den Wald betrittst, verändert sich die Akustik – die dicken Moosteppiche schlucken jedes Geräusch, was eine fast ehrfürchtige Stille erzeugt. In der „Hall of Mosses“ hängen die Moose wie lange Bärte von den Ästen der Bigleaf-Ahornbäume. Es ist der perfekte Ort, um das typische „Olympic-Gefühl“ zu erleben.
Tipp: Der Spruce Nature Trail ist ein kürzerer Rundweg, der dich zum Hoh River führt und zeigt, wie der Fluss die Landschaft des Waldes ständig neu formt.

Das Quinault Valley: Das „Tal der Giganten“

Etwas weniger überlaufen als der Hoh Rainforest, aber mindestens genauso spektakulär, ist das Quinault Valley. Hier stehen einige der größten Bäume der Welt, darunter die weltgrößte Sitka-Fichte. Die schiere Größe dieser Baumriesen lässt einen als Mensch winzig erscheinen. Der Regenwald umschließt hier einen wunderschönen Lake Quinault, an dessen Ufern historische Lodges zum Verweilen einladen.

Warum ist es hier so grün?

Das Geheimnis sind die sogenannten Epiphyten (Aufsitzerpflanzen). Farne und Moose wachsen hier nicht nur auf dem Boden, sondern direkt auf den Stämmen und Ästen der Bäume. Sie nutzen die Bäume lediglich als Halt, um näher ans Licht zu kommen, und saugen die Feuchtigkeit direkt aus der nebligen Luft auf.

Insider-Tipps für deinen Besuch

Besuche den Regenwald am besten an einem leicht regnerischen oder nebligen Tag. Auch wenn das widersprüchlich klingt: Erst wenn die Blätter nass sind und der Nebel zwischen den Stämmen hängt, leuchten die Grüntöne so richtig intensiv, und die Atmosphäre ist am mystischsten.
Tipp: Da der Hoh Rainforest sehr beliebt ist, kann es am Parkeingang im Sommer zu Wartezeiten kommen. Versuche, entweder vor 9:00 Uhr oder nach 17:00 Uhr dort zu sein.

Das Quinault Valley wird nicht umsonst das „Valley of the Giants“ genannt. Wenn du vor diesen Bäumen stehst, merkst du erst, wie alt und mächtig die Natur hier wirklich ist. Diese Bäume sind nicht einfach nur groß – sie sind eigene vertikale Ökosysteme. Die weltgrößte Sitka-Fichte, der Quinault Giant Sitka Spruce, ist der unangefochtene Star des Tals. Mit einer Höhe von etwa 58 Metern und einem Stammdurchmesser von über 5 Metern ist sie die größte ihrer Art weltweit. Ihr Alter wird auf stolze 1.000 Jahre geschätzt. Du erreichst sie über einen sehr kurzen, flachen Pfad direkt in der Nähe des Lake Quinault.

Neben den Fichten findest du hier gewaltige Douglasien und den Western Red Cedar (Riesenlebensbaum). Letztere wurden von den indigenen Völkern der Region traditionell für den Bau von Kanus und Langhäusern genutzt, da ihr Holz extrem witterungsbeständig ist.

Wenn du durch den Wald wanderst, wirst du oft Reihen von jungen Bäumen sehen, die wie an einer Schnur gezogen auf einem morschen, am Boden liegenden Stamm wachsen. Diese umgestürzten Riesen werden „Nurse Logs“ genannt. Sie speichern Feuchtigkeit und Nährstoffe und bieten den Keimlingen einen perfekten Startplatz über dem dichten Farnteppich des Bodens.

An einem einzigen dieser Baumriesen können hunderte Kilogramm an Moosen, Farnen und Flechten hängen. In manchen Fällen ist die Masse an Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) so schwer, dass Äste unter der Last abbrechen – was wiederum Lichtlücken im Kronendach schafft und neuen Pflanzen am Boden Platz zum Wachsen gibt.

Wo du die Riesen am besten findest

Big Cedar Trail: Ein kurzer Stopp nördlich des Lake Quinault führt dich zu einem massiven, teils zerklüfteten Riesenlebensbaum, der zeigt, wie diese Bäume über Jahrhunderte Wind und Wetter trotzen.

Rain Forest Nature Trail: Dieser Rundweg (ca. 1 km) ist ideal, um die Struktur des Waldes zu verstehen. Hier siehst du die perfekte Schichtung von den winzigen Moosen am Boden bis hin zu den Baumkronen in schwindelerregender Höhe.

Kleiner Tipp für das perfekte Foto: Um die wahre Größe dieser Bäume einzufangen, sollte sich eine Person direkt an den Stamm stellen. Erst durch diesen Größenvergleich werden die Dimensionen auf Bildern später wirklich greifbar.

Pazifikküste

An der Pazifikküste des Olympic-Nationalparks erlebst du das dramatische Finale der Reise, die im Regenwald begann. Hier wird deutlich, was mit den Baumriesen passiert, wenn sie ihr Leben im Wald beendet haben.

Anstatt einfach zu verrotten, werden viele dieser Giganten bei Stürmen und durch die Erosion der Flussufer ins Meer gespült. Die gewaltige Brandung des Pazifiks schleift die Rinden ab, bleicht das Holz silbrig-weiß und wirft die Stämme dann wie Mikadostäbe zurück an den Strand. Du kannst dieses Spektakel am besten an den „Baumfriedhöfen“ der Küste erleben.

Rialto Beach: Das ist wohl der beeindruckendste Ort für Treibholz-Fans. Hier findest du den sogenannten „Tree Graveyard“. Hunderte von gewaltigen, gebleichten Baumstämmen liegen hier übereinandergetürmt. Bei Flut und Sturm krachen die Wellen gegen dieses Holzwall, was einen unglaublichen Lärm erzeugt – manche nennen Rialto deshalb den „musikalischsten Strand der Welt“.
Highlight: Wenn du bei Ebbe etwa 2,5 km nach Norden wanderst, erreichst du das Hole-in-the-Wall, einen natürlichen Felsdurchbruch.

Ruby Beach: Dieser Strand ist berühmt für seine dramatischen Sea Stacks (aus dem Meer ragende Felsnadeln) und den rötlich schimmernden Sand. Auch hier liegen riesige Stämme verstreut, die oft als natürliche Bänke dienen, um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Ein Wunder der Natur: Der „Tree of Life“

Ein absolutes Muss an der Küste ist der Tree of Life (auch bekannt als Kalaloch Tree Root Cave) am Kalaloch Beach. Dieser Sitka-Fichte ist etwas Unmögliches gelungen: Die Erde unter ihr wurde komplett weggespült, sodass sie buchstäblich über einem Abgrund schwebt. Sie hält sich nur noch mit ihren massiven Wurzeln an den Rändern zweier Klippen fest. In der Mitte klafft eine Höhle, durch die du hindurchschauen kannst, während der Baum oben drüber immer noch grüne Nadeln trägt und weiterlebt. Er ist ein Symbol für die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Natur hier.

Was du an der Küste beachten solltest

Gezeiten (Tides): Das ist lebenswichtig. Viele Abschnitte, wie der Weg zum Hole-in-the-Wall, sind bei Flut abgeschnitten. Schau dir vorher unbedingt eine Gezeitentabelle an.

„Sneaker Waves“: Unterschätze niemals die Kraft des Pazifiks. Große Wellen können plötzlich viel weiter den Strand hochkommen als erwartet und dabei sogar die schweren Baumstämme in Bewegung setzen.

Tide Pools: Bei Ebbe verwandeln sich die Felsen an Stränden wie Beach 4 oder Rialto Beach in kleine Aquarien. Du kannst dort leuchtend grüne Seeanemonen und violette Seesterne entdecken.

Lake Crescent: Tiefblaues Wasser und idyllische Ruhe

Wenn du zum ersten Mal am Ufer des Lake Crescent stehst, wird dir sofort die intensive, saphirblaue Farbe des Wassers auffallen. Da der See sehr nährstoffarm ist, können Algen kaum wachsen – das macht das Wasser so klar, dass du an manchen Stellen bis zu 20 Meter tief blicken kannst. Der See wurde vor Jahrtausenden durch gewaltige Gletscher geformt und ist mit über 190 Metern einer der tiefsten Seen in Washington.

Die Stille des Sees hat schon viele inspiriert. Es heißt sogar, dass Franklin D. Roosevelt in der historischen Lake Crescent Lodge über die Gründung des Nationalparks nachdachte. Die Lodge selbst wurde 1915 erbaut und versprüht mit ihrer großen Veranda und den gemütlichen Sesseln am Kamin noch heute den Charme vergangener Zeiten.

Paddeln im Paradies: Da Motorboote hier eher selten sind, ist der See ideal zum Kajak- oder Kanufahren. Du kannst dir direkt an der Lodge ein Boot leihen und die bewaldeten Steilufer vom Wasser aus erkunden.

Mutprobe beim Schwimmen: Das Wasser ist das ganze Jahr über erfrischend kalt. Im Hochsommer wagen sich viele an den „Devil’s Punchbowl“ – eine tiefe, felsige Bucht, die über die Spruce Railroad Bridge erreichbar ist.

Wander-Highlights direkt am See

Marymere Falls: Ein einfacher, familienfreundlicher Weg (ca. 3 km hin und zurück), der dich durch alten Wald zu einem wunderschönen, 27 Meter hohen Wasserfall führt.

Mount Storm King: Wenn du die ultimative Aussicht auf den See suchst, ist dies dein Weg. Wie schon erwähnt, ist der Aufstieg steil, aber der Blick auf das strahlende Blau des Sees, das tief unter dir liegt, ist die Mühe wert.

Spruce Railroad Trail: Dieser flache Weg am Nordufer ist perfekt für Radfahrer oder entspannte Spaziergänge. Er folgt einer alten Bahntrasse und bietet immer wieder freie Ausblicke auf das Wasser.

Ein kleiner Geheimtipp für dich: Wenn du den Lake Crescent von seiner ruhigsten Seite erleben willst, solltest du zum Sonnenuntergang am Steg der Lodge sein. Wenn sich die umliegenden Berge im spiegelglatten Wasser verdoppeln, verstehst du sofort, warum dieser Ort als einer der friedlichsten im ganzen Pazifischen Nordwesten gilt.

Aktivitäten: So erlebst du die Wildnis hautnah

Der Park bietet dir unzählige Möglichkeiten, aktiv zu werden. Ob zu Lande oder zu Wasser, die Begegnungen mit der Natur sind hier oft sehr unmittelbar.

Wildtierbeobachtung: Elche, Bären und Wale finden

Der Olympic-Nationalpark ist ein Refugium für seltene Tierarten. Da große Teile des Parks als geschützte Wildnis gelten, stehen die Chancen gut, dass du einige der „Einheimischen“ triffst.

Die Roosevelt-Elche: Diese majestätischen Tiere sind die größten ihrer Art und kommen fast nur hier vor. Du findest sie oft in den Flusstälern des Hoh- oder Quinault-Regenwaldes. Besonders im frühen Herbst, während der Brunftzeit, ist ihr Röhren weithin zu hören.

Schwarzbären: Sie streifen durch fast alle Gebiete des Parks. Während sie im Sommer oft auf den alpinen Bergwiesen Beeren sammeln, sieht man sie im Frühjahr häufiger in den tieferen Lagen. Keine Sorge: Sie sind meist sehr scheu. Halte einfach immer einen sicheren Abstand (mindestens 45 Meter) ein.

Wale und Meeresbewohner: Von der Küste aus (besonders am Kalaloch Beach oder Cape Flattery) kannst du im Frühjahr und Herbst oft Grauwal-Migrationen beobachten. In den Tide Pools an der Küste entdeckst du zudem eine bunte Welt aus purpurnen Seesternen und grünen Anemonen.

Kajakfahren und Wassersport auf den Gletscherseen

Die tiefblauen Seen des Parks bieten eine völlig neue Perspektive auf die umliegenden Berge.

Lake Crescent: Dies ist der Hotspot für Paddler. Das Wasser ist so klar, dass du beim Rudern das Gefühl hast, über dem Grund zu schweben. Du kannst dir direkt vor Ort Kajaks, Kanus oder Stand-up-Paddleboards (SUP) leihen.

Lake Quinault: Hier paddelst du direkt am Rand des Regenwaldes entlang. Die Atmosphäre ist oft neblig und geheimnisvoll, was die Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis macht.

Fluss-Abenteuer: Für Erfahrene bieten Flüsse wie der Elwha River oder der Sol Duc River Möglichkeiten für aufregende Rafting- oder Kajak-Touren, je nach Wasserstand und Jahreszeit.

Die schönsten Wanderwege für jedes Fitnesslevel

Egal, ob du nur einen kurzen Spaziergang machen oder dich einer echten alpinen Herausforderung stellen willst: Im Olympic-Nationalpark findest du den passenden Weg.

Wanderungen im alpinen Hochgebirge

Hurricane Hill (via Hurricane Ridge)

Länge: ca. 5,3 km (hin und zurück), Schwierigkeit: Einfach bis moderat.
Der Weg ist befestigt und bietet durchgehend ein 360-Grad-Panorama. Bei gutem Wetter siehst du bis nach Kanada.

Mount Storm King

Länge: ca. 6,4 km, Schwierigkeit: Schwer.
Dies ist der „Instagram-Klassiker“. Der Aufstieg ist extrem steil und am Ende musst du dich an Seilen festhalten, aber der Blick über den Lake Crescent ist unschlagbar.

Pfade durch den mystischen Regenwald

Hall of Mosses Trail (Hoh Rainforest)

Länge: ca. 1,3 km (Rundweg), Schwierigkeit: Sehr einfach.
Der ikonischste Weg des Parks. Hier läufst du durch Ahorn-Haine, die so dicht mit Moos bewachsen sind, dass sie wie grüne Höhlen wirken.

Sol Duc Falls Trail

Länge: ca. 2,6 km, Schwierigkeit: Einfach.
Ein sanfter Weg durch alten Baumbestand, der zu einem der meistfotografierten Wasserfälle Washingtons führt – die Sol Duc Falls stürzen in drei (manchmal vier) parallelen Armen in eine tiefe Schlucht.

Abenteuer an der Pazifikküste

Rialto Beach bis Hole-in-the-Wall

Länge: ca. 5,6 km, Schwierigkeit: Moderat (Wandern im Sand/Kies).
Ein Strandspaziergang vorbei an gigantischem Treibholz bis zu einem natürlichen Felsentor. Wichtig: Achte hier unbedingt auf die Gezeiten – das „Hole“ ist nur bei Ebbe sicher erreichbar.

Shi Shi Beach to Point of Arches

Länge: ca. 13 km, Schwierigkeit: Moderat.
Oft als der schönste Küstenabschnitt der USA bezeichnet. Die „Sea Stacks“ am Point of Arches wirken bei Sonnenuntergang fast surreal.

Insider-Tipps für dein perfektes Erlebnis

Der Olympic-Nationalpark ist kein Ort für Eilige. Um die wahre Seele dieses Parks zu spüren, solltest du dich auf seinen Rhythmus einlassen – und ein paar Tricks kennen.

Der „Frühe Vogel“-Trick für den Hoh Rainforest

Der Hoh Rainforest ist eines der beliebtesten Ziele. Im Sommer bilden sich oft schon ab 10:00 Uhr lange Autoschlangen am Eingang.

Unser Tipp: Sei entweder vor 8:30 Uhr dort oder erst nach 17:00 Uhr. Am späten Nachmittag hast du nicht nur mehr Ruhe, sondern das Licht fällt schräger durch die moosigen Äste, was für eine viel dramatischere Atmosphäre sorgt. Außerdem sind die Chancen, Elche direkt am Wegesrand zu sehen, in der Dämmerung deutlich höher.

Die besten Fotospots für unvergessliche Erinnerungen

Sonnenuntergang am Ruby Beach: Während die meisten Menschen zum Sonnenuntergang an den Rialto Beach fahren, bietet Ruby Beach mit seinen riesigen Sea Stacks und dem rötlichen Sand oft das spektakulärere Farbenspiel. Die Silhouetten der Felsnadeln gegen den brennenden Himmel sind ein Postkartenmotiv.

Die Spiegelung am Lake Crescent: Fahr zum Nordufer des Sees (Spruce Railroad Trail). Dort ist das Wasser oft noch ruhiger als an der Lodge, und du kannst perfekte Symmetrie-Fotos von den schneebedeckten Gipfeln im Wasser machen.

Geheimtipp: Die Madison Falls

Wenn du wenig Zeit hast oder eine Wanderpause brauchst, besuche die Madison Falls im Elwha Valley. Der Weg ist extrem kurz (nur wenige Minuten), flach und befestigt. Der Wasserfall ist wunderschön und wird von vielen Touristen übersehen, die direkt zu den bekannteren Spots durchfahren.

Nachhaltiges Reisen: Schütze, was du liebst

Die Natur im Olympic ist so unberührt wie an kaum einem anderen Ort. Damit das so bleibt, gibt es zwei goldene Regeln:

Tide Pool Etikette: Wenn du an der Küste Seesterne oder Anemonen in den Gezeitentümpeln beobachtest, berühre sie bitte nicht. Schon das Öl auf unserer Haut kann diesen empfindlichen Wesen schaden.

Leave No Trace: Nimm alles wieder mit, was du mitgebracht hast. Das gilt besonders für Lebensmittelreste, da die Tiere hier nicht lernen sollen, dass Menschen eine Futterquelle sind.

Die „Regen-Ausrüstung“ richtig nutzen

Ein echter Insider-Tipp für den Nordwesten: Kauf dir keine teure, schwere Regenjacke, in der du beim Wandern schwitzt. Profis setzen auf das Zwiebelprinzip mit einer leichten, aber absolut wasserdichten Hardshell-Schicht und Merinowolle darunter. Und noch wichtiger: Wasserdichte Socken oder Gamaschen. Nichts verdirbt den Tag schneller als nasse Füße im Regenwald.

Der Olympic ist riesig und seine verschiedenen Zugänge machen die Entscheidung, wo man übernachten soll, nicht einfacher.

Wenn du nur einen Tag für den Olympic hast

Wenn der Olympic „nur“ eine von vielen Stationen auf deinem Roadtrip ist, kannst du zum Beispiel in Port Angeles übernachten und von dort früh ins Hochgebirge aufbrechen. Später schaust du dir den Regenwald und die Pazifikküste an und schaffst es noch, bis nach Aberdeen, wo du wieder übernachtest.

Wir können in Port Angeles die Olympic Lodge by Ayres empfehlen. Es gibt aber noch andere Hotels in Port Angeles.

In Aberdeen haben wir im Best Western Plus Aberdeen übernachtet. Das Hotel ist ebenfalls zu empfehlen. Es gibt aber auch noch andere Hotels in Aberdeen.

Wenn du den Olympic ausführlich(er) besuchen willst

Übernachten direkt am Pazifik (Kalaloch Area)

Dies ist die beste Option, wenn du den Tree of Life und die Strände direkt vor der Haustür haben möchtest.

Kalaloch Lodge: Sie thront auf einer Klippe direkt über dem Meer. Von hier aus bist du in wenigen Minuten am Strand. Es gibt Zimmer in der Lodge oder gemütliche Holzhütten mit Meerblick.

Kalaloch Campground: Wenn du lieber campst, ist das einer der begehrtesten Plätze. Viele Stellplätze liegen direkt an der Abbruchkante zum Pazifik – du schläfst also beim Rauschen der Brandung ein.

Übernachten im Herzen des Tals (Quinault Area)

Ideal, wenn du die riesigen Bäume und die Stille des Waldes liebst.

Lake Quinault Lodge: Ein wunderschönes, historisches Hotel direkt am See. Es hat eine riesige Veranda mit Blick aufs Wasser und liegt mitten im „Tal der Giganten“. Hier herrscht eine ganz besondere, nostalgische Atmosphäre.

Rain Forest Resort Quinault: Etwas rustikaler, bietet aber tolle Hütten direkt am Ufer und ist ein super Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Rekord-Bäumen.

Die „Basislager“-Option: Forks

Forks liegt strategisch perfekt genau zwischen dem Hoh Rainforest und den Stränden von La Push (Rialto Beach).

Vorteil: Du hast hier die größte Auswahl an Motels, Ferienhäusern und Einkaufsmöglichkeiten. Es ist zwar weniger „romantisch“ als eine Lodge im Wald, aber logistisch am cleversten, um beide Highlights schnell zu erreichen.

Hoh Valley Cabins: Diese liegen etwas außerhalb von Forks in Richtung des Regenwaldes und bieten viel Ruhe.

Camping für Abenteurer

Hoh Campground: Mitten im Regenwald. Es ist feucht, grün und absolut magisch. Morgens wachst du im Nebel unter uralten Bäumen auf.

Mora Campground: In der Nähe von Rialto Beach. Er liegt im Wald, aber du hörst das Meer in der Ferne donnern.

Unser Tipp: Da diese Unterkünfte extrem beliebt sind, solltest du so früh wie möglich buchen (oft 6–12 Monate im Voraus). Wenn du es lieber spontan magst, ist Forks meistens deine sicherste Wette, um noch ein Zimmer zu finden.

Reiseplanung: Wann ist die beste Zeit für deinen Besuch?

Die Planung für den Olympic-Nationalpark kann ein wenig knifflig sein, da das Wetter hier so extrem ist wie die Landschaft selbst. Je nachdem, was du erleben willst – Wandern im Hochgebirge oder das mystische Leuchten des Regenwaldes –, eignen sich unterschiedliche Monate.

Wichtig ist eine Grundregel: Pack immer eine Regenjacke ein, egal zu welcher Jahreszeit du reist!

Sommer (Juli bis September): Die beste Zeit für Wanderer

Dies ist die beliebteste Reisezeit, und das aus gutem Grund. Die Tage sind lang, und es ist die trockenste Phase des Jahres.

Vorteil: Die Straßen zur Hurricane Ridge und zum Obstruction Point sind schneefrei und offen. Die Bergwiesen stehen im Juli in voller Blüte.

Nachteil: Es ist Hochsaison. Die Parkplätze am Hoh Rainforest oder an der Hurricane Ridge können schon ab 10 Uhr morgens voll sein.

Tipp: Wenn du im Sommer reist, solltest du deine Unterkunft Monate im Voraus buchen und deine Touren sehr früh am Morgen starten.

Frühling (April bis Juni): Die Zeit der Wasserfälle

Im Frühling erwacht der Park zum Leben. Während oben in den Bergen noch massenhaft Schnee liegt, leuchten die Regenwälder in einem fast unnatürlichen Grün.

Das Highlight: Die Wasserfälle wie die Sol Duc Falls oder die Marymere Falls führen durch die Schneeschmelze so viel Wasser wie sonst nie und wirken besonders mächtig.

Wildlife: Es ist die beste Zeit, um Schwarzbären und Elche mit ihrem Nachwuchs zu beobachten, besonders in den tiefer gelegenen Tälern.

Herbst (Oktober bis November): Ruhe und herbstliche Farben

Wenn du die Massen meiden willst, ist der Herbst ideal. Die Temperaturen sinken, und der Park hüllt sich in eine ruhige, fast melancholische Atmosphäre.

Herbstfarben: Vor allem im Quinault- und Hoh-Tal verfärben sich die Ahornbäume leuchtend gelb und orange – ein genialer Kontrast zum ewigen Grün der Nadelbäume.

Die Brunft: Im September und Oktober kannst du die majestätischen Roosevelt-Elche beobachten (und hören!), wenn die Bullen um die Kühe kämpfen.

Winter (Dezember bis März): Drama und Einsamkeit

Der Winter im Olympic-Nationalpark ist etwas für echte Naturliebhaber, die kein Problem mit Nässe haben.

An der Küste: Dies ist die Zeit des „Storm Watchings“. Die Stürme am Pazifik sind gewaltig und werfen riesige Wellen gegen die Küste.

In den Bergen: Die Hurricane Ridge verwandelt sich in ein kleines Wintersportparadies für Schneeschuhwanderer und Skifahrer (meist nur am Wochenende geöffnet).

Im Regenwald: Es regnet fast ununterbrochen, aber genau das macht den Regenwald erst zu dem, was er ist. Die Moose saugen sich voll und alles wirkt wie in einer anderen Welt.

Ein wichtiger Hinweis für deine Sicherheit: Bevor du losfährst, solltest du immer die aktuelle Website des National Park Service (NPS) prüfen. Besonders im Winter und Frühling können Erdrutsche oder Schneefälle Straßen wie die zum Hoh Rainforest oder zur Hurricane Ridge kurzfristig unpassierbar machen.

Logistik: Anreise und Fortbewegung vor Ort

Der Park liegt auf einer Halbinsel, was die Anreise schon zu einem kleinen Abenteuer macht. Da die Distanzen zwischen den einzelnen Highlights (z. B. Hurricane Ridge zum Hoh Rainforest) oft zwei bis drei Stunden Fahrtzeit bedeuten, ist eine gute Planung Gold wert.

So kommst du von Seattle zum Olympic-Nationalpark

Du hast zwei Hauptmöglichkeiten, um von Seattle aus Richtung Port Angeles (dem nördlichen Eingang) zu starten:

Mit der Fähre (Der Klassiker): Dies ist die schönste Route. Du nimmst die Fähre von Seattle nach Bainbridge Island oder von Edmonds nach Kingston. Die Überfahrt dauert etwa 30 bis 60 Minuten und bietet dir einen tollen Blick auf die Skyline von Seattle und den Mount Rainier. Danach fährst du über die Hood Canal Bridge weiter auf die Halbinsel.

Über den Landweg: Wenn du keine Lust auf Fähren hast oder die Wartezeiten (besonders am Wochenende) zu lang sind, kannst du südlich über Tacoma und Olympia fahren. Das dauert zwar länger, ist aber oft besser kalkulierbar.

Mietwagen oder Shuttle? Tipps für die Mobilität im Park

Ein eigener Mietwagen ist fast unverzichtbar.
Der Park ist riesig (fast 4.000 km²). Es gibt zwar lokale Busverbindungen (Clallam Transit), aber diese bringen dich meist nur zu den Orten an der Küste oder nach Port Angeles, nicht jedoch tief hinein zum Hoh Rainforest oder hoch zur Hurricane Ridge.

Du wirst die meiste Zeit auf dem Highway 101 verbringen. Er verbindet alle wichtigen Gebiete des Parks. Stell dich darauf ein, viel Zeit im Auto zu verbringen, und sorge dafür, dass dein Tank immer gut gefüllt ist – Tankstellen sind in den abgelegenen Ecken (wie zwischen Forks und Lake Quinault) selten.

Eintrittspreise und der „America the Beautiful“-Pass

Wie fast alle US-Nationalparks ist auch der Olympic-Nationalpark gebührenpflichtig.

Standard-Eintritt: Ein Pass für ein privates Fahrzeug kostet in der Regel etwa 30 bis 35 USD und ist für 7 aufeinanderfolgende Tage gültig.

Der „America the Beautiful“-Pass: Wenn du vorhast, auf deinem Trip noch andere Nationalparks (wie den Mount Rainier oder North Cascades) zu besuchen, lohnt sich dieser Jahrespass für 80 USD. Er gilt für ein Fahrzeug und alle Insassen in fast allen US-Nationalparks. Du kannst den Pass direkt an den Parkeingängen (z. B. Hurricane Ridge oder Hoh Rainforest) oder vorab online kaufen.

Ein kleiner Insider-Tipp für dich: Lade dir die Karten der Region unbedingt vorab für die Offline-Nutzung herunter (z. B. bei Google Maps). Sobald du den Highway 101 verlässt und tiefer in den Park fährst, wirst du in 90 % der Fälle kein Handysignal mehr haben.

Ähnliche Beiträge