New Orleans: Jazz, Voodoo und Lebensfreude im Big Easy
Du biegst um eine Straßenecke im French Quarter. In der Luft liegt der Duft von frisch frittierten Beignets und starkem Chicorée-Kaffee, während aus einer offenen Bar die tiefen Töne einer Posaune zu dir herüberschallen. Über dir hängen schmiedeeiserne Balkone voller Farne, und unter deinen Füßen spürst du das Kopfsteinpflaster, das seit über 300 Jahren Geschichten erzählt.
New Orleans – oder „The Big Easy“, wie die Einheimischen es liebevoll nennen – ist kein gewöhnliches Reiseziel. Es ist ein Gefühl. Hier vermischen sich französische Eleganz, spanisches Temperament, afrikanische Rhythmen und karibische Lebensfreude zu einem Cocktail, den du so nirgendwo anders auf der Welt finden wirst.
In dieser Stadt ist das Leben ein einziges Fest. Ob beim weltberühmten Mardi Gras, bei einer spontanen „Second Line“-Parade durch die Nachbarschaft oder einfach bei einem Drink im „Go-Cup“ in der Hand, während du dich von der Musik durch die Nacht treiben lässt. New Orleans fordert dich auf, den Alltag hinter dir zu lassen, tief durchzuatmen und nach dem Motto der Stadt zu leben: „Laissez les bons temps rouler“ – lass die guten Zeiten rollen!
Dieser Reiseführer nimmt dich an die Hand: Wir zeigen dir die legendäre Bourbon Street (und wo du den besten Jazz abseits der Touristenpfade findest), führen dich zu den mystischen „Cities of the Dead“ und verraten dir, wo das Gumbo am authentischsten schmeckt.
Vorbereitung: Den Rhythmus der Stadt verstehen
Reisezeit: Von Mardi Gras bis zur Hurricane-Season
Das Klima bestimmt in New Orleans alles. Die Stadt liegt unter dem Meeresspiegel und die Luftfeuchtigkeit ist legendär.
Frühling (Februar bis Mai): Die absolute Top-Reisezeit. Das Wetter ist angenehm, die Magnolien blühen und natürlich fällt der Mardi Gras (Fasching) in diese Zeit. Aber Achtung: Zu Mardi Gras ist die Stadt im Ausnahmezustand, die Preise verdoppeln sich und man muss Monate im Voraus buchen.
Sommer (Juni bis September): Es ist heiß, extrem schwül und es ist Hurricane-Saison. Viele Locals verlassen die Stadt, wenn sie können. Der Vorteil: Die Hotelpreise sind im Keller.
Herbst (Oktober bis November): Eine tolle Alternative. Es wird kühler, die Luft wird trockener und Events wie das Voodoo Experience Festival locken Besucher an.
Ankunft & Fortbewegung: Streetcars und die Kunst des Flanierens
New Orleans ist für US-Verhältnisse sehr kompakt und lässt sich wunderbar zu Fuß oder mit historischen Mitteln erkunden.
Die Streetcars: Ein absolutes Muss! Die grünen Wagen der St. Charles Line sind die ältesten der Welt. Eine Fahrt unter den riesigen Eichen kostet nur 1,25 $ (passendes Kleingeld oder die Le Pass App nutzen).
Zu Fuß: Das French Quarter erkundest du am besten zu Fuß. Jede Ecke bietet ein neues Fotomotiv oder eine versteckte Terrasse.
Fahrräder: In den flachen Vierteln wie dem Marigny oder Bywater ist das Fahrrad das ideale Fortbewegungsmittel.
Die Wahl des Viertels: Wo schlägt dein Herz?
Jedes Viertel in NOLA (New Orleans, Louisiana) hat eine völlig andere Energie:
French Quarter: Das historische Zentrum. Du bist mitten im Geschehen, hörst überall Musik, aber es ist auch laut und sehr touristisch.
Faubourg Marigny: Direkt östlich des Quarters. Hier wohnen die Künstler und Musiker. Es ist etwas authentischer, hip und die Heimat der besten Jazzclubs (Frenchmen Street).
Garden District: Hier stehen die prachtvollen Villen unter uralten Eichen. Es ist ruhig, elegant und perfekt, wenn du den Trubel des Zentrums nur dosiert genießen möchtest.
Übernachtungstipp:
Wir können das Canopy by Hilton New Orleans Downtown empfehlen. Es liegt nur ca. 550 m von der Bourbon-Street entfernt und ist recht ruhig. Das moderne Design-Hotel bietet ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Sehr gut sieht auch das Maison Metier, in the Unbound Collection by Hyatt aus. Ist aber natürlich auch eine Preisfrage. Es gibt aber noch viele andere Hotels in New Orleans.
Tipp für den Start: Besorge dir direkt nach der Ankunft die „Le Pass“ App. Damit kannst du digitale Tickets für die Streetcars und Busse kaufen, ohne nach Kleingeld suchen zu müssen. Und noch etwas Wichtiges: In New Orleans ist es legal, Alkohol auf der Straße in Plastikbechern (Go-Cups) zu trinken. Das gehört hier zum Lebensgefühl, aber übertreibe es nicht – die Stadt ist ein Marathon, kein Sprint!
Das Herz der Stadt: Das French Quarter (Vieux Carré)
Jackson Square & St. Louis Cathedral: Das historische Zentrum
Dieser Platz ist das Postkartenmotiv von New Orleans. Einst der Ort für öffentliche Hinrichtungen und Paraden, ist er heute ein Treffpunkt für Künstler und Musiker.
Die weiße St. Louis Cathedral mit ihren drei spitzen Türmen ist die älteste durchgehend genutzte Kathedrale der USA. Ihr Anblick vor dem blauen Himmel ist spektakulär. Rund um den Zaun des Platzes stellen Maler ihre Werke aus, und Handleser sowie Tarot-Experten bieten ihre Dienste an. Setz dich auf eine Bank und lass die Atmosphäre auf dich wirken.
Bourbon Street vs. Royal Street: Party-Exzess trifft Antiquitäten-Eleganz
Nur zwei Parallelstraßen voneinander entfernt, zeigen sie zwei völlig verschiedene Gesichter der Stadt.
In der Bourbon Street regiert der Exzess. Neonlichter, laute Musik aus jeder Tür und die berühmten „Hand Grenade“-Drinks in grünen Plastikbechern. Es ist laut und touristisch, aber man muss es einmal gesehen (und gerochen) haben.
Die Royal Street bietet das absolute Kontrastprogramm. Hier findest du wunderschöne Antiquitätenläden, exklusive Kunstgalerien und einige der am besten erhaltenen historischen Fassaden der Stadt. Tagsüber ist die Straße für Autos gesperrt, und Weltklasse-Straßenmusiker geben hier improvisierte Konzerte.
Tour durch das französische Viertel mit Geschichtenerzählen
French Quarter Foodtour Rundgang mit Verkostungen
Die Geister der Stadt: Voodoo-Shops und Friedhofsführungen
New Orleans gilt als die Stadt mit den meisten Spukgeschichten in den USA. Die Nähe zum Tod und der Voodoo-Glaube gehören hier zum Alltag.
Besuche das New Orleans Historic Voodoo Museum oder authentische Läden wie Marie Laveau’s House of Voodoo. Es geht dabei weniger um Puppen mit Nadeln, sondern um eine tief verwurzelte Religion und Ahnenkult.
Da die Stadt unter dem Meeresspiegel liegt, werden die Toten in prunkvollen, oberirdischen Mausoleen bestattet – den „Cities of the Dead“. Hier liegt auch die legendäre Voodoo-Königin Marie Laveau begraben. St. Louis Cemetery No. 1 ist der älteste erhaltene Friedhof in New Orleans und wurde 1789 gegründet. Zum Schutz des historischen Ortes kann er nur im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden.
Weitere Friedhöfe sind der Lafayette Cemetery No. 1 im Garden District mit einer beeindruckenden Architektur und üppiger Vegetation, der St. Louis Cemetery No. 3 als größter der drei St. Louis Friedhöfe sowie der Metairie Cemetery. Er hebt sich durch seine großen, oft extravaganten Mausoleen ab und ist die letzte Ruhestätte vieler prominenter Persönlichkeiten von New Orleans.
Tipp für das French Quarter: Such dir ein Restaurant oder eine Bar mit einem Balkon im ersten Stock (z. B. am frühen Abend). Es gibt nichts Besseres, als mit einem Drink in der Hand von oben auf das bunte Treiben und die vorbeiziehenden Jazz-Paraden hinunterzublicken. Und vergiss nicht, in die Innenhöfe (Courtyards) zu spähen – hinter unscheinbaren Holztoren verbergen sich oft die schönsten Gärten der Stadt.
Die Seele der Musik: Wo der Jazz zu Hause ist
Frenchmen Street: Die authentische Alternative
Wenn du die Einheimischen fragst, wo sie Musik hören, schicken sie dich in die Frenchmen Street im Viertel Faubourg Marigny (nur einen kurzen Spaziergang vom French Quarter entfernt).
In Clubs wie dem The Spotted Cat, Snug Harbor oder d.b.a. gibt es fast rund um die Uhr Live-Jazz, Blues und Funk. Das Beste: Oft musst du keinen Eintritt zahlen, sondern nur ein Getränk kaufen und den Musikern ein großzügiges Trinkgeld in den „Tip Jar“ werfen.
Zwischen den Clubs gibt es einen nächtlichen Kunstmarkt unter freiem Himmel, auf dem lokale Künstler handgefertigten Schmuck und Bilder verkaufen – perfekt für ein authentisches Souvenir.
Preservation Hall: Ein Tempel für den traditionellen Jazz
In einer unscheinbaren, leicht heruntergekommenen Holzhalle im French Quarter verbirgt sich das Herz des Traditional Jazz.
In der Preservation Hall gibt es keine Bar, keine Klimaanlage und keine Mikrofone. Du sitzt auf Holzbänken oder stehst ganz nah bei den Musikern. Es ist eine fast religiöse Erfahrung für Musikliebhaber.
Tipp: Die Schlangen sind lang! Buche deine Tickets unbedingt Wochen im Voraus online, wenn du einen Sitzplatz möchtest, oder stell dich frühzeitig für die Stehplätze an.
Second Lines & Brass Bands: Wenn die Straße zur Bühne wird
Du musst in New Orleans nicht einmal einen Club betreten, um Weltklasse-Musik zu hören.
Brass Bands: Blechbläsergruppen ziehen oft spontan durch die Straßen. Der Sound ist laut, energiegeladen und bringt jeden zum Tanzen.
Second Line Paraden: Das ist eine der schönsten Traditionen. Ursprünglich Teil von Beerdigungen (Jazz Funerals), sind es heute fröhliche Paraden, die von Vereinen organisiert werden. Die „First Line“ ist die Band, die „Second Line“ sind die Menschen, die tanzend folgen. Wenn du eine siehst: Schließ dich einfach an!
Tipp für Musikfans: Bevor du losziehst, schau in den WWOZ Livewire Music Calendar (online oder als App). Das ist die Bibel für Live-Musik in NOLA. Dort steht tagesaktuell, welche Band in welchem Club spielt. So verpasst du garantiert keinen Geheimtipp.
Kulinarik: Eine Liebeserklärung an die kreolische Küche
Beignets & Café au Lait: Der Pflichtstopp im Café Du Monde
Man war nicht wirklich in New Orleans, wenn man nicht einmal mit Puderzucker auf dem Hemd das Café Du Monde verlassen hat.
Beignets: Diese frittierten Teigkissen werden im Dreierpack serviert und sind unter einem Berg aus Puderzucker begraben.
Café au Lait: Er wird traditionell mit Zichorie (Wegwarte) gemischt, was dem Kaffee eine erdige, leicht schokoladige Note verleiht.
Tipp: Das Café am Jackson Square hat 24 Stunden am Tag geöffnet. Geh am besten spät nachts oder sehr früh morgens, um die langen Schlangen am Nachmittag zu vermeiden.
Gumbo, Jambalaya & Po‘ Boys: Die Klassiker
Das sind die Gerichte, die die Seele von Louisiana ausmachen:
Gumbo: Ein dicker Eintopf auf Basis einer dunklen Mehlschwitze (Roux), meist mit Okra, Meeresfrüchten oder würziger Andouille-Wurst serviert.
Jambalaya: Ein herzhaftes Reisgericht, ähnlich einer Paella, aber kräftiger gewürzt.
Po‘ Boys: Das Sandwich der Stadt. Es besteht aus fluffigem französischem Brot, meist belegt mit frittierten Garnelen oder Austern. Wenn du gefragt wirst: „Do you want it dressed?“, sag ja! Das bedeutet mit Mayo, Salat, Tomaten und Gurken.
Fine Dining: Die Grande Dames der Südstaaten-Küche
New Orleans beherbergt einige der ältesten Familienrestaurants der USA, in denen Kellner noch in Frack und weißen Handschuhen servieren.
Antoine’s: Hier wurden die Oysters Rockefeller erfunden. Ein Labyrinth aus Speiseräumen voller Geschichte.
Brennan’s: Berühmt für das Gericht Bananas Foster (flambierte Bananen), das direkt am Tisch zubereitet wird. Das Frühstück hier ist eine Institution – nimm dir Zeit für ein ausgiebiges „Breakfast at Brennan’s“.
Tipp für Genießer: Probiere unbedingt eine Muffuletta beim Central Grocery & Deli. Dieses riesige, runde Sandwich mit italienischem Aufschnitt und einem speziellen Olivensalat wurde von sizilianischen Einwanderern in New Orleans erfunden. Ein ganzes Sandwich reicht locker für zwei bis drei Personen!
Eleganz unter Eichen: Der Garden District
St. Charles Streetcar: Die Zeitreise auf Schienen
Der beste Weg in den Garden District ist die Fahrt mit der historischen St. Charles Streetcar. Die hölzernen Sitze und die offenen Fenster lassen dich den Wind spüren, während die Bahn unter einem Tunnel aus riesigen, moosbehangenen Eichen hindurchgleitet.
Tipp: Steig an der Kreuzung Washington Avenue aus – das ist der perfekte Startpunkt für einen Spaziergang.
Prachtvolle Villen: Südstaaten-Architektur zum Träumen
Im Gegensatz zu den spanisch-französischen Einflüssen des Quarters bauten hier im 19. Jahrhundert wohlhabende Amerikaner ihre Paläste im griechischen und italienischen Stil. Achte auf die filigranen gusseisernen Zäune (oft in Form von Maiskolben – ein Symbol für Gastfreundschaft) und die riesigen Veranden.
Viele Stars besitzen hier Häuser. Das berühmte „Buckner Mansion“ diente beispielsweise als Kulisse für American Horror Story: Coven. Sandra Bullock und John Goodman haben hier ebenfalls ihr Zuhause.
Lafayette Cemetery No. 1: Ein Labyrinth aus oberirdischen Gräbern
Direkt gegenüber vom berühmten Restaurant Commander’s Palace liegt einer der fotogensten Friedhöfe der Welt.
Die oberirdischen Grüfte sind hier oft von Efeu und Wurzeln überwuchert, was dem Ort eine friedliche, fast mystische Atmosphäre verleiht. Du wirst dich wie in einem Film von Anne Rice (Interview mit einem Vampir) fühlen – viele ihrer Geschichten spielen genau hier.
Tipp für den Garden District: Gönn dir ein Mittagessen im legendären Commander’s Palace. Es gilt als eines der besten Restaurants der Welt. Der Clou: Unter der Woche gibt es dort zum Lunch den berühmten „25-Cent-Martini“. Ja, richtig gelesen – drei Martinis für insgesamt 75 Cent (bei Bestellung eines Hauptgerichts). Ein wunderbar dekadenter Start in den Nachmittag!
Abenteuer am Mississippi: Sümpfe und Plantagen
Swamp Tours: Alligatoren und mystische Zypressen-Sümpfe
Nur etwa 30 bis 45 Minuten außerhalb der Stadt beginnt eine völlig andere Welt. Eine Sumpftour ist ein absolutes Muss, um das Ökosystem Louisianas zu verstehen.
Airboat vs. Covered Boat: Wenn du Action willst, nimm das Airboat (laut und schnell). Wenn du Tiere beobachten und den Erklärungen des Guides lauschen willst, ist das langsamere Covered Boat besser.
Wildlife: Du wirst fast garantiert Alligatoren sehen, aber auch Schildkröten, Reiher und mit etwas Glück sogar Waschbären, die im Sumpf nach Futter suchen.
Die Geschichte der Plantagen: Ein kritischer Blick
Entlang des Mississippi (der River Road) liegen prachtvolle Anwesen, deren Schönheit eng mit der dunklen Geschichte der Sklaverei verknüpft ist.
Oak Alley Plantation: Berühmt für ihre 28 gigantischen Eichen, die eine Allee zum Haus bilden. Es ist das „Postkarten-Motiv“ der Südstaaten.
Whitney Plantation: Wenn du die wahre Geschichte erfahren willst, besuche diese Plantage. Sie ist die einzige, die sich voll und ganz auf die Perspektive der versklavten Menschen konzentriert. Es ist eine sehr bewegende und wichtige Erfahrung.
Steamboat Natchez: Eine Fahrt auf dem mächtigen Mississippi
Du musst die Stadt nicht weit verlassen, um dem Fluss nah zu kommen. Das ikonische Schaufelraddampfer Natchez startet direkt am Rande des French Quarter.
Das Stampfen der Dampfmaschine und der Sound der Calliope (Dampforgel) versetzen dich direkt in das 19. Jahrhundert. Besonders die „Jazz Dinner Cruise“ bei Sonnenuntergang ist wunderschön, wenn die Lichter der Skyline von New Orleans langsam angehen.
Dampfer Natchez Jazz Cruise mit Mittagessen Option
Abendliche Jazz-Kreuzfahrt auf dem Dampfschiff Natchez
Tipp für den Ausflug: Kombiniere eine Plantagen-Tour mit einer Sumpf-Tour. Viele Anbieter in New Orleans bieten „Combo-Tickets“ an, inklusive Abholung vom Hotel. Das spart Geld und du siehst an einem Tag beide Seiten des ländlichen Louisianas.





















