Yosemite National Park – Ein Guide für dein Abenteuer in der Sierra Nevada
Stell dir vor, du stehst am Tunnel View, die kühle Morgenluft im Gesicht, während die ersten Sonnenstrahlen die senkrechten Wände von El Capitan in goldenes Licht tauchen. Vor dir öffnet sich ein Tal, das so perfekt wirkt, dass man es kaum für real halten mag.
Der Yosemite Nationalpark ist nicht einfach nur ein Ziel auf einer Landkarte – er ist eine Liebeserklärung der Natur an die Wildnis.
In diesem Guide nehme wir dich mit zu donnernden Wasserfällen, uralten Mammutbäumen und Ausblicken, die dir den Atem rauben werden.
Die Highlights im Yosemite Valley: Granitgiganten und Wassermassen
Das Valley ist zwar nur ein kleiner Teil des Parks, aber hier konzentriert sich die Magie.
El Capitan und Half Dome: Die Giganten aus Granit
Diese beiden Felsformationen sind die absoluten Ikonen des Parks.
Der Weg auf den Half Dome ist legendär (und anstrengend!). Die letzten Meter über die „Cables“ (Stahlseile) sind nichts für schwache Nerven und erfordern ein Permit.
Den besten Blick auf den El Capitan hast du von der El Capitan Meadow. Mit einem Teleobjektiv kannst du hier oft Kletterer in der Wand entdecken, die wie kleine bunte Punkte aussehen. Den Half Dome fotografierst du am besten bei Sonnenuntergang vom Sentinel Bridge aus – dort spiegelt er sich wunderschön im Merced River.
Yosemite Falls: Wenn das Wasser in die Tiefe stürzt
Mit über 700 Metern Fallhöhe gehören sie zu den höchsten Wasserfällen der Welt.
Der Lower Yosemite Fall Trail ist ein entspannter Spaziergang. Wenn du mehr willst, führt dich der Upper Yosemite Fall Trail steil bergauf – ein echtes Workout für die Waden, aber die Aussicht von oben ist unbezahlbar.
Im Frühling (Mai/Juni) ist der Sprühnebel so stark, dass du dein Equipment schützen musst. Nutze Langzeitbelichtungen, um das Wasser seidig weich wirken zu lassen.
Tunnel View: Der ikonischste Ausblick der Welt
Kein Yosemite-Besuch ist komplett ohne diesen Stopp direkt hinter dem Wawona Tunnel. Von hier aus hast du El Capitan, Bridalveil Fall und den Half Dome in einem einzigen Bildausschnitt.
Komm zum Sonnenaufgang oder direkt nach einem Gewitter, wenn die Wolken noch tief in den Granitwänden hängen. Das sorgt für die dramatischsten Aufnahmen in deinem Blog.
Wandern und Entdecken abseits der Massen
Wenn dir das Valley zu voll wird, ist es Zeit, die Serpentinen nach oben zu nehmen. Hier oben, in den „High Sierras“, wird die Luft dünner, die Aussicht weiter und die Stille intensiver.
Glacier Point: Panorama-Blick der Extraklasse
Obwohl der Glacier Point ein bekannter Aussichtspunkt ist, bieten die Wanderwege, die hier starten, deutlich mehr Ruhe als die Wege im Tal.
Dies ist der beste Ort, um den Half Dome auf Augenhöhe zu fotografieren. Besonders zum Sonnenuntergang („Alpenglow“), wenn der Fels in tiefem Pink leuchtet, entstehen hier Weltklasse-Aufnahmen.
Wandern: Der Sentinel Dome & Taft Point Loop
Diese moderate Wanderung führt dich zu einer 360-Grad-Aussicht (Sentinel Dome) und zu den schwindelerregenden Abgründen des Taft Point. Die „Fissures“ (tiefe Felsspalten) am Taft Point sind ein geniales Motiv, aber Vorsicht: Es gibt dort kein Geländer!
Mariposa Grove: Wandeln unter gigantischen Mammutbäumen
Ganz im Süden des Parks wartet eine Kathedrale aus Holz auf dich. Hier stehen hunderte Riesenmammutbäume (Giant Sequoias), die teilweise über 2.000 Jahre alt sind.
Lass den Shuttle-Bus stehen und wandere den Grizzly Giant Loop. Du triffst auf Bäume wie den „California Tunnel Tree“, durch den man tatsächlich hindurchgehen kann.
Die schiere Größe der Bäume ist schwer einzufangen. Ein Weitwinkelobjektiv ist hier Pflicht. Versuche, eine Person mit ins Bild zu nehmen, um die Größenverhältnisse (Maßstab) zu verdeutlichen.
Tioga Road: Die wilde Seite des Hochgebirges
Diese Passstraße führt dich bis auf fast 3.000 Meter Höhe und ist meist nur von Juni bis Oktober befahrbar. Sie ist das Tor zur echten Wildnis.
Highlight Tenaya Lake: Ein kristallklarer Bergsee, eingerahmt von glatten Granitkuppeln. Perfekt für Spiegelungen im Wasser (am besten am frühen Vormittag, wenn der See noch spiegelglatt ist).
Wander-Tipp Lembert Dome: Eine kurze, aber knackige Wanderung auf eine Granitkuppel. Oben angekommen hast du einen unendlichen Blick über die Tuolumne Meadows – hier oben triffst du oft nur eine Handvoll Menschen.
Tipp für Fotografen: Das Spektakel des „Firefall“
Wenn du deinen Besuch für den Monat Februar planst, hast du die Chance auf ein Foto, das weltweit für Staunen sorgt: den Horsetail Fall Firefall.
Für wenige Tage im Jahr scheint dieser Wasserfall an der Ostseite des El Capitan bei Sonnenuntergang in Flammen zu stehen. Das geschieht, wenn die tiefstehende Sonne das Wasser in einem so spezifischen Winkel trifft, dass es wie flüssige Lava in intensivem Orange und Rot leuchtet.
Was du für das perfekte Bild wissen musst:
Timing: Das Phänomen tritt meist zwischen Mitte und Ende Februar auf.
Wetter-Glück: Du brauchst einen absolut wolkenlosen Himmel im Westen und genug Schmelzwasser.
Logistik: Der Andrang ist so groß, dass du für diese Zeit oft eine Vorab-Reservierung für den Parkeintritt benötigst. Sei zudem Stunden vor Sonnenuntergang mit deinem Stativ an den ausgewiesenen Fotospots (nahe der El Capitan Picnic Area).
Sternenfotografie: Die Milchstraße über der Sierra Nevada
Wenn die Sonne untergeht und die letzten Touristen das Tal verlassen, beginnt im Yosemite ein ganz anderes Spektakel: Der Nachthimmel der Sierra Nevada. Weit entfernt von der Lichtverschmutzung der Städte, bietet der Park einige der besten Bedingungen für die Astrofotografie in den USA.
Die besten Spots: Besonders der Glacier Point und die Tioga Road (mit ihren weiten Tuolumne Meadows oder dem Tenaya Lake) sind erstklassige Orte, um die Milchstraße in ihrer vollen Pracht einzufangen. Die markanten Silhouetten von El Capitan, Half Dome oder des Lembert Dome geben deinen Nachtaufnahmen eine unglaubliche Tiefe und einen einzigartigen Vordergrund.
Wann ist die beste Zeit? Die Milchstraße ist am besten in den Monaten Juni bis September sichtbar, wenn sie hoch am Himmel steht. Für optimale Ergebnisse solltest du eine Nacht um Neumond wählen, um die Lichtverschmutzung durch den Mond zu minimieren.
Ausrüstung und Technik: Ein stabiles Stativ, ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (Blende f/2.8 oder größer) und eine Kamera, die hohe ISO-Werte gut verarbeitet, sind unerlässlich. Vergiss nicht eine Stirnlampe (mit Rotlichtfunktion, um deine Nachtsicht nicht zu beeinträchtigen!) und warme Kleidung, da es auch im Sommer nachts empfindlich kalt werden kann.
Planung und Vorbereitung: So gelingt dein Besuch
Ein Trip in den Yosemite Nationalpark ist leider nichts, was man spontan am Morgen beim Frühstück entscheidet. Damit du nicht vor geschlossenen Schranken stehst oder wertvolle Zeit im Stau verlierst, ist die richtige Vorbereitung alles.
Reservierung und Eintritt: Was du vorab wissen musst
In den letzten Jahren hat der Park ein Reservierungssystem eingeführt, um die Besucherströme zu lenken. Das bedeutet für dich: In der Hauptsaison (meist von April bis Oktober) benötigst du oft eine Vorab-Reservierung, nur um überhaupt mit dem Auto in den Park fahren zu dürfen – selbst wenn du nur durchfahren möchtest.
Tipp: Prüfe Monate im Voraus auf recreation.gov, ob für deine Reisedaten eine Reservierungspflicht besteht.
Wandern mit Ziel: Falls du den Half Dome besteigen willst, brauchst du ein spezielles Permit, das per Lotterie vergeben wird.
Für Fotografen wichtig: Auch für den berühmten „Firefall“ am Horsetail Fall im Februar ist eine Reservierung zwingend erforderlich.
Die beste Reisezeit: Wasserfälle vs. Schneegestöber
Wann du den Park besuchst, bestimmt komplett, welche Fotos du nach Hause bringst und welche Wege du wandern kannst:
Frühling (Mai/Juni): Die beste Zeit für Wanderungen zu den Wasserfällen. Die Schneeschmelze sorgt dafür, dass die Yosemite Falls mit maximaler Kraft donnern.
Sommer (Juli–September): Alle Hochgebirgsstraßen (wie die Tioga Road) sind offen. Ideal für Wanderungen in den High Sierras, aber es ist auch am vollsten.
Herbst (Oktober/November): Die Massen verschwinden und das Licht wird weicher – perfekt für Fotografie. Allerdings führen viele Wasserfälle dann nur noch wenig oder gar kein Wasser mehr.
Winter (Dezember-April): Ein magisches Erlebnis für Fotografen, wenn Schnee auf dem Granit liegt. Viele Straßen sind jedoch gesperrt.
Anreise und Fortbewegung mit dem Shuttle-System
Wenn du am frühen Nachmittag in SFO landest und der Yosemite deine erste Station ist, kannst du noch bis Oakdale fahren und im Holiday Inn Express Oakdale, an IHG Hotel übernachten.
Wir integrieren den Yosemite gern auf dem Weg von Osten, z.B. Las Vegas, nach San Francisco. In diesem Fall kann man z.B. in Lee Vining oder Lake Bass übernachten.
Das Yosemite Valley kann zur Rushhour sehr stressig sein. Parke dein Auto so früh wie möglich (vor 8:00 Uhr!) an einem der großen Parkplätze und nutze den kostenlosen Yosemite Shuttle. Die Busse halten an fast allen wichtigen Trailheads und Fotospots im Valley. So kannst du während der Fahrt aus dem Fenster schauen und nach Motiven Ausschau halten, anstatt dich über die Parkplatzsuche zu ärgern.
Unterkünfte und Verpflegung
Die Wahl deiner Unterkunft entscheidet darüber, ob du morgens als Erster am Trailhead stehst oder zwei Stunden im Stau stehst, um überhaupt ins Valley zu kommen.
Camping im Park: Tipps für die Platzreservierung
Camping im Yosemite ist für viele das ultimative Naturerlebnis, aber es gleicht einem Lottogewinn. Die Plätze (wie North Pines oder Lower Pines) werden exakt fünf Monate im Voraus am 15. des Monats um 7:00 Uhr PST auf recreation.gov freigeschaltet – und sind meist nach Sekunden ausgebucht.
Tipp: Erstelle dir vorher ein Profil und sei eingeloggt. Wenn du im Valley keinen Platz bekommst, schau dir die Plätze entlang der Tioga Road (z.B. Tuolumne Meadows) an – diese sind oft etwas entspannter zu buchen, aber nur im Sommer offen.
Lodges und Hotels im und um den Nationalpark
Wenn du nicht campen möchtest, gibt es verschiedene Preisklassen:
The Ahwahnee: Ein historisches Luxushotel im Valley. Auch wenn du dort nicht übernachtest, lohnt sich ein Besuch der Lobby für ein paar Fotos der beeindruckenden Architektur.
Yosemite Valley Lodge: Perfekt gelegen, direkt bei den Yosemite Falls.
Curry Village: Hier schläfst du in fest installierten Zelthütten („Tent Cabins“). Es ist die preiswerteste Art, direkt im Valley zu übernachten – sehr urig, aber nachts kann es kühl werden.
Außerhalb des Parks: Orte wie El Portal liegen direkt am Eingang. Mariposa oder Oakhurst sind günstiger, bedeuten aber täglich 45–60 Minuten Fahrtzeit pro Strecke.
Picknick-Spots und Restaurants im Valley
Verpflegung im Park kann teuer sein, daher ist Selbstversorgung oft die beste Wahl.
Degnan’s Loft & Village Grill: Hier bekommst du Pizza, Sandwiches und Burger für den schnellen Hunger.
Einkaufen: Der Yosemite Village Store ist erstaunlich gut sortiert. Du bekommst dort alles von frischem Obst bis hin zu Gaskartuschen für deinen Kocher.
Der schönste Picknick-Spot: Pack dir dein Essen ein und setz dich an den Sentinel Beach. Mit Blick auf den Half Dome und den Merced River im Rücken schmeckt das Sandwich doppelt so gut – und es ist ein erstklassiger Ort für entspannte Fotos am Nachmittag.
Sicherheit und Naturschutz
Yosemite ist kein Erlebnispark, sondern ein empfindliches Ökosystem und die Heimat wilder Tiere. Damit sowohl du als auch die Natur unbeschadet aus dem Abenteuer hervorgehen, gibt es ein paar goldene Regeln.
Bear Aware: Der richtige Umgang mit Wildtieren
Die Schwarzbären im Yosemite sind intelligent und haben eine extrem feine Nase. Sie haben gelernt, dass in Autos oft Leckereien versteckt sind.
Niemals Futter im Auto lassen: Das gilt nicht nur für Essen, sondern auch für alles, was duftet (Zahnpasta, Deo, Sonnencreme). Nutze unbedingt die bereitgestellten „Bear Lockers“ (metallene Aufbewahrungsboxen) an den Parkplätzen und Campgrounds.
Begegnungen auf dem Trail: Wenn du einem Bären begegnest, halte Abstand (mindestens 50 Meter). Mache dich groß, hebe die Arme und mache Lärm, um ihn zu verscheuchen. Füttere niemals Tiere – auch nicht die niedlichen Eichhörnchen, da dies deren natürliches Verhalten zerstört.
Leave No Trace: So schützt du die Wildnis
Um die Schönheit des Parks zu erhalten, folgen wir den „Leave No Trace“-Prinzipien:
Bleib auf den Wegen: Besonders in den Tuolumne Meadows oder am Rand der Wasserfälle ist die Vegetation extrem empfindlich. Ein Foto abseits des Pfades kann Jahre an Pflanzenwachstum zerstören.
Müll ist Tabu: Alles, was du in den Park hineinträgst, nimmst du auch wieder mit hinaus. Das gilt auch für biologische Abfälle wie Apfelgriebsch oder Bananenschalen, da diese im trockenen Klima der Sierra Nevada ewig zum Verrotten brauchen und Wildtiere anlocken.
Sicherheit am Wasser: Die Strömungen im Merced River oder oberhalb der Wasserfälle werden oft unterschätzt. Die glatten Granitfelsen sind spiegelglatt – geh kein Risiko für ein Selfie ein.

















