Madeira Reisebericht: Blütenzauber, Sissi-Mythen und das bunte Blumenfest in Funchal

Funchal, Blütenzauber und die Spuren von Sissi

Schon vor Jahren stand für mich fest: Irgendwann möchte ich nach Madeira! In den ersten beiden Mai-Wochen war es endlich so weit. Unser Plan: Eine Woche im sonnigen Süden in der Nähe von Funchal verbringen und von dort aus die berühmte Blumenparade miterleben.

Bereits bei der Fahrt vom Flughafen zur Autovermietung bestätigte uns der Fahrer: „Super Idee! Wer einmal hier war, möchte nicht wieder weg und kommt immer wieder!“ Entsprechend gespannt waren wir.

Die Mietautos auf der Insel sind fast alle klein und schnittig. Es wirkt, als hätten die großen Autofirmen ihre kleinsten, aber oftmals hochmotorisierten Fahrzeuge hierher exportiert. Bei den vielen engen Gassen ist das aber auch einfach das Beste, was man tun kann! Unsere Wahl fiel auf ein kleines, wendiges Auto aus der Serie unseres eigenen Wagens zu Hause. So mussten wir uns beim Handling überhaupt nicht umstellen – alles war vertraut wie in unserer „Mimi“.

Die Fahrt zum Hotel verlief völlig unproblematisch. Von Funchal aus ging es durch einen Tunnel, dann weiter durch den nächsten Tunnel, und weil es so schön war, gleich noch mal durch einen. Bernd scherzte direkt: „Nach dem Tunnel ist vor dem Tunnel!“

Mein Fazit nach den ersten Tagen: Madeira ist ein faszinierendes Insel-Trio aus Brücken, Tunneln und Kreisverkehren – und gesäumt von Hängen voller Bananenstauden!

Und wo war hier nun Sissi?

Klar, die österreichische Kaiserin war wohl zweimal in ihrem Leben hier, aber heute erinnert im Grunde nur noch eine Statue an sie. Die damaligen Gebäude existieren nicht mehr.

Und noch ein Mythos wird direkt entzaubert: Der berühmte Film „Sissi“ mit den Madeira-Szenen wurde in Wahrheit an der Amalfiküste auf der Terrasse der Villa Cimbrone gedreht. Also nichts mit Madeira-Idylle im Fernsehen! Das echte Madeira braucht diesen Hollywood-Glanz aber auch gar nicht, denn die Realität ist viel spannender.

Das Hotel Escarpa: Spitzkehren, Koffer-Workouts und Dean Martin

Wir hatten uns für das Escarpa entschieden – ein kleines Hotel weiter oben am Hang mit einem herrlich familiären Ambiente. Da wir erst nach 18:00 Uhr ankamen und die Rezeption nicht mehr besetzt war, wurde die Besitzerin erfinderisch: Per Video-Anleitung ging es im Fußmarsch direkt zu unserem Zimmer.

Kurz vor dem Hotel wartete allerdings die erste fahrerische Herausforderung auf uns: Der letzte kurze Weg zum Parkplatz entpuppte sich als eine Spitzkehre von gefühlten 270 Grad, gefolgt von einer engen Straße mit gut 20 Grad Steigung.

Spätestens hier stand fest: Madeira ist definitiv auch die Insel der engen Gassen!

Als wir oben ankamen, galt es nur noch, die gefühlten 1000 Höhenmeter zum Zimmer zurückzulegen. Mit Koffern! Das war ein immenser Kraftakt. Mein Tipp für das nächste Mal: Ausschau nach einem jungen Burschen halten, der sich ein Trinkgeld verdienen möchte. Koffer schleppen oder rollen ist auf diesen steilen Wegen kein reines Vergnügen.

Der Ausblick von unserem Balkon auf der ersten Ebene über das weite Meer ließ uns die Schlepperei aber sofort vergessen. Jedes Zimmer dieser offenen Anlage hat einen eigenen, separaten Eingang. Unser Reich war liebevoll und funktionell eingerichtet – ein echtes Zuhause für die erste Woche.

Das familiäre Flair spürte man jeden Morgen beim Frühstück:

  • Ein traumhafter Blick aufs Meer
  • Immer ein netter Plausch mit dem Team
  • Ein frischer, leckerer Ingwer-Shot
  • Ein Buffet voller Leckereien

Wer die alten Lieder von Dean Martin mag, ist hier beim Frühstücksbuffet genau richtig. Mitsingen, mitklatschen und schon am frühen Morgen gute Laune haben – das gehört im Escarpa einfach dazu.

Der Blumenumzug „Grande Cortejo Alegórico da Flor“ & kulinarische Highlights

An unserem großen Ausflugstag stand der berühmte Blumenumzug in Funchal auf dem Plan, kombiniert mit einem Mittagessen im Restaurant Akua. Da wir früh losgefahren waren, erreichten wir die Stadt gegen elf Uhr. Es war schon unheimlich voll und normale Parkplätze waren absolute Fehlanzeige. Wir reihten uns, wie viele andere auch, pragmatisch rund um einen Brunnen auf. Innerhalb von Sekunden war der Platz dicht. Bei diesem Ausnahmezustand in der Stadt drückt die Polizei zum Glück beide Augen zu – es gab weder Knöllchen noch Parkkrallen.

Schon Stunden vor dem Start flanierten die wunderschön gekleideten Blumenmädchen, Männer und Kinder durch die Gassen und ließen sich bereitwillig fotografieren.

Wir hatten zum Glück eine Woche vorher einen Tisch für 13:00 Uhr reserviert. Das Restaurant liegt ganz unscheinbar in einer kleinen Gasse, nicht weit weg von der Avenida do Mar. Die Speisen waren ein harmonisches Spiel aus feinsten Aromen. Besonders das „filete de espada“ (Schwarzer Degenfisch) mit Bananensoße und Beurre blanc hatte es uns angetan!

Überhaupt ist das Konzept genial: Auf der Karte wird man explizit dazu aufgefordert, die Gerichte zu teilen („Do you want to share?“). Was woanders oft ungern gesehen wird, gehört hier zum guten Ton. Fisch wird hier als echte Delikatesse zelebriert. Den anschließenden Kaffee und ein Eis genossen wir im Golden Gate Grand Café, wo man draußen hervorragend sitzen und der besten Straßenmusik der Stadt lauschen kann.

Um 16:30 Uhr wurde es ernst. Entlang der Avenida do Mar waren Tribünen aufgebaut. Wir hatten drei Wochen vorher zwei Sitzplätze in der ersten Reihe ergattert – absolut perfekt! Es waren zwar nur etwa sieben Prachtwagen, aber jeder einzelne ein absolutes, blumiges Unikat. Die Gruppen tanzten zu mitreißender Musik aus den Lautsprechern. Besonders die kleinsten Kinder im Zug hatten es den Zuschauern angetan. Auch wenn es zwischendurch nieselte und die Kleider von unten feucht wurden: Die Betreuer waren sofort zur Stelle, um Schuh-Schleifen zu binden, Wasser zu reichen oder ein ausgerutschtes Kind zu trösten. Ein absolut wundervoller, farbenfroher Umzug!

Madeira-Mauer-Eidechsen im Jardim Municipal und der Botanische Garten

An den folgenden Tagen erkundeten wir die grüne Vielfalt rund um Funchal. Per Zufall stolperten wir in den Jardim Municipal do Funchal, eine kleine grüne Oase mitten im Stadtzentrum. Ein absolutes Paradies für Hobbyfilmer! Auf den vielen Steinmauern wimmelte es nur so von den typischen Madeira-Mauer-Eidechsen. Da sie an Menschen gewöhnt sind, huschten sie nicht direkt davon, sondern hielten geduldig für ein kleines Fotoshooting her. Der Park selbst besticht durch eine beeindruckende Sammlung tropischer und subtropischer Pflanzen, die zu stattlichen Bäumen herangewachsen sind.

Ein weiteres Must-See ist der Madeira Botanical Garden. Als wir morgens beim Frühstück ein riesiges Kreuzfahrtschiff in den Hafen einlaufen sahen, war klar: In den Gassen von Funchal wird es voll. Also wählten wir das perfekte Ausweichziel und fuhren mit unserer „Mimi xx“ hinauf zum Botanischen Garten. Das Parken war hier oben überhaupt kein Problem.

Anfang Mai waren wir für die ganz extreme Blütenpracht zwar fast noch ein bisschen zu früh dran, aber das Flanieren durch die Anlage war trotzdem herrlich. Zwei Pflanzen haben mein Herz im Sturm erobert:

Die Strelitze (Paradiesvogelblume): Ich besitze selbst seit einigen Jahren eine zu Hause, die aber noch nie geblüht hat. Hier auf Madeira wächst sie einfach an jeder Ecke. Sie liebt dieses Klima!

Die Clivia: In meiner Kindheit war das die absolute Lieblingsblume meiner Oma, die dafür einen extrem grünen Daumen hatte. Hier auf der Insel ist das easy-peasy: Man pflanzt sie einfach in den Garten und wird jedes Jahr mit den schönsten Blüten belohnt.

Traditioneller Fischmarkt im Mercado dos Lavradores

Ein Besuch des Mercado dos Lavradores lohnt sich vor allem am Vormittag. Dann hat der Fischmarkt im Untergeschoss geöffnet. Touristen und Einheimische drängen sich hier gleichermaßen, um die gigantischen Thunfische und vor allem den berühmten Schwarzen Degenfisch (Espada) zu bestaunen.

Das Schöne und Beruhigende zu wissen: Die Fischerei auf Madeira findet noch ganz traditionell mit der Angel statt. Das gilt auch für die großen Thunfische. Man kann den Fisch also absolut bedenkenlos genießen, da garantiert kein Beifang wie Delfine im Netz landet.

Der Schwarze Degenfisch wird mit einer langen Leine und vielen Angelverzweigungen in über 800 Metern Tiefe gefischt. Durch den extremen Druckunterschied beim Einholen stirbt der Fisch bereits auf dem Weg nach oben, weshalb man an den Marktständen seine markanten, großen Augen sehen kann. Auch die bunten Muränen gelten hier als Delikatesse, sahen für mich aber ehrlich gesagt etwas suspekt aus.

Im Erdgeschoss der Markthalle werden die Früchte der Insel in wunderschönen, fotogenen runden Türmchen präsentiert, und man kann unzählige Blumenzwiebeln und Samen kaufen. Ob diese exotischen Pflanzen in unseren heimischen Gärten allerdings jemals so prachtvoll blühen wie hier, bleibt wohl ein Geheimnis der Natur.

In meinem nächsten Bericht nehme ich euch mit in den wilden Norden nach Seixal – freut euch auf mystische Feenwälder und echtes Hawaii-Feeling in Europa!

 

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