Willkommen in Versailles, dem Inbegriff königlicher Pracht und historischer Bedeutung! Nur einen Katzensprung von Paris entfernt, entführt Dich dieses UNESCO-Weltkulturerbe in die glorreiche Ära der französischen Monarchie. Von prunkvollen Sälen über weitläufige Gärten bis hin zu intimen Rückzugsorten – Versailles bietet ein unvergessliches Erlebnis.
Die Geschichte von Versailles ist untrennbar mit der französischen Monarchie verbunden und spiegelt den Aufstieg und Fall des Ancien Régime wider.
Die Geschichte von Versailles beginnt nicht mit Prunk, sondern mit einem praktischen Zweck: der Jagd. Ludwig XIII. (Vater Ludwigs XIV.) ließ um 1623 ein bescheidenes Jagdhaus aus Ziegeln und Stein auf einem Gelände errichten, das reich an Wild war. Es war ein einfacher Rückzugsort, weit entfernt von den politischen Wirren und dem höfischen Treiben in Paris.
1631-1634 ließ er dieses Jagdhaus erweitern und zu einem kleinen Schloss ausbauen, das aber immer noch relativ unscheinbar war.
Die wahre Transformation von Versailles begann mit Ludwig XIV. (dem „Sonnenkönig“). Unzufrieden mit dem Louvre und den politischen Unruhen in Paris (der Fronde), sah er in Versailles das Potenzial für einen neuen, grandiosen Hofstaat, der seine absolute Macht und seinen Ruhm widerspiegeln sollte.
Nach dem Tod seines Finanzministers Mazarin übernahm Ludwig XIV. ab 1661 die volle Kontrolle und begann, Versailles systematisch auszubauen. Die ersten Projekte konzentrierten sich auf die Gärten, die von André Le Nôtre entworfen wurden. Unter der Leitung des Architekten Louis Le Vau wurde das bestehende Schloss Ludwigs XIII. in den 1660er-1670er Jahren umschlossen und erweitert. Es entstanden die repräsentativen Königlichen Gemächer.
Die Verlegung des Hofes 1682 war ein entscheidender Schritt. Ludwig XIV. verlegte den gesamten Hof und die Regierung offiziell von Paris nach Versailles. Dies diente nicht nur dazu, sich von den Unruhen der Hauptstadt zu distanzieren, sondern auch, den Adel unter ständiger Kontrolle zu halten und ihn in aufwendige höfische Rituale einzubinden.
Unter dem neuen Architekten Jules Hardouin-Mansart erreichte der Bau 1678-1680er Jahre seinen Höhepunkt. In dieser Zeit entstanden unter anderem:
Der Spiegelsaal (Galerie des Glaces): Fertiggestellt 1684, ein Symbol für Prunk und absolute Macht.
Die Nord- und Südflügel, die die Unterbringung Tausender von Höflingen ermöglichten.
Die Orangerie, die Großen und Kleinen Ställe.
Zahlreiche Brunnen und Statuen in den Gärten.
Die Kapelle (Chapelle Royale): Obwohl der Bau unter Ludwig XIV. begann, wurde sie erst 1710, kurz vor seinem Tod, fertiggestellt.
Versailles wurde unter Ludwig XIV. zum größten und prunkvollsten Palast Europas, ein strahlendes Zentrum für Kunst, Kultur und Politik, das zum Vorbild für viele andere europäische Höfe wurde.
Die Nachfolger Ludwigs XIV. führten das Leben in Versailles fort, nahmen aber auch eigene Anpassungen vor.
Ludwig XV. beauftragte einige Änderungen am Inneren des Schlosses und am Trianon-Anwesen. Das Petit Trianon wurde für seine Mätresse Madame de Pompadour begonnen und für Madame du Barry vollendet.
Ludwig XVI. und Marie Antoinette: Das Königspaar setzte die Tradition der Hofhaltung in Versailles fort, prägte aber auch eigene Akzente. Marie Antoinette war bekannt für ihre Vorliebe für das Petit Trianon und ließ dort das idyllische „Hameau de la Reine“ (Königliches Dorf) errichten, einen scheinbar einfachen, aber tatsächlich sehr aufwendigen Bauernhof, der ihr als Rückzugsort diente.
In dieser Zeit wuchs die Unzufriedenheit des Volkes mit der verschwenderischen Monarchie, die in starkem Kontrast zur Armut der Bevölkerung stand. Versailles wurde zum Symbol dieser Ungleichheit.
Der Sturm auf die Bastille (14. Juli 1789) läutete das Ende von Versailles als Hauptresidenz der französischen Könige ein. Am 5./6. Oktober 1789 marschierten tausende Pariser Frauen nach Versailles und zwangen die königliche Familie, den Palast zu verlassen und nach Paris in den Tuilerien-Palast umzuziehen. Das Schloss wurde geplündert, Möbel und Kunstwerke wurden verkauft oder in Museen gebracht.
Napoleon Bonaparte nutzte Versailles nur sporadisch und hatte Pläne für den Umbau, die jedoch nie vollständig umgesetzt wurden.
Louis-Philippe I., der „Bürgerkönig“, erkannte die historische Bedeutung von Versailles. Er beschloss, das Schloss nicht als königliche Residenz wiederherzustellen, sondern es zu einem Museum zu machen, das „allen Herrlichkeiten Frankreichs“ gewidmet war. Dies war ein entscheidender Schritt zur Bewahrung des Gebäudes und seiner Geschichte. Die „Galerie des Batailles“ (Schlachtengalerie) ist ein Zeugnis dieser Zeit.
Nach dem Sieg Preußens über Frankreich im deutsch-französischen Krieg (1870-1871)wurde der Spiegelsaal von Versailles zum Schauplatz eines weiteren historisch bedeutenden Ereignisses: Am 18. Januar 1871 wurde hier das Deutsche Kaiserreich proklamiert und Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Spiegelsaal erneut zum Schauplatz der Geschichte, als hier am 28. Juni 1919 der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet wurde, der den Krieg offiziell beendete.
Im 20. Jahrhundert wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt, um das Schloss und die Gärten in ihren ursprünglichen Glanz zurückzuversetzen. Heute ist Versailles eines der meistbesuchten Denkmäler Frankreichs und ein UNESCO-Weltkulturerbe.



























